Finanzkolumne: Was passiert, wenn jeder in der Schweiz Millionär wäre?

Schweizer Millionäre: Was würde passieren, wenn jeder reich wäre?

Finanzkolumne

In der Schweiz Millionär sein? Hast du dir schon mal vorgestellt, was passiert, wenn jeder Schweizer und jede Schweizerin Millionär wäre? Die Idee klingt super. Keine finanziellen Sorgen mehr, Luxus, Freiheit, das Leben so zu gestalten, wie man möchte.

Dein Nachbar, der Bäcker um die Ecke, die Kassiererin im Coop, alle sind Millionäre. Tönt wie ein Traum, schnell Millionär zu werden. Was sind aber die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen? Was passiert mit der Wirtschaft, wenn alle reich sind?

Wenn alle reich sind, ist eigentlich niemand mehr reich. Reichtum wird relativ und verschiebt sich.

Kurz zusammengefasst
  • Wären alle Millionäre, würden Preise durch die steigende Nachfrage stark ansteigen, die Kaufkraft der Million würde sinken.
  • Wichtige, aber schlecht bezahlte Berufe könnten schwerer besetzt werden, während Vermögensungleichheit trotzdem bestehen bliebe.
  • Aktuell besitzen laut UBS Global Wealth Report rund 1.1 Millionen Erwachsene in der Schweiz ein Vermögen von über einer Million US-Dollar, das sind etwa 16% der erwachsenen Bevölkerung.
  • Reichtum ist relativ: Es zählt nicht nur der Kontostand, sondern wie du mit deinen Ressourcen umgehst.

1. Inflation: Preise steigen

Eine Konsequenz ist die Inflation. Das allgemeine Preisniveau steigt. Die Schweiz ist ja bereits jetzt schon teuer.

Du bist zwar Millionär, aber wenn alle viel mehr Geld haben, steigen die Preise für Waren und Dienstleistungen rapide an. Der Kaffee in der Kantine kostet plötzlich 100 Franken, ein Abendessen im Restaurant mehrere tausend Franken. Die Preise würden ins Unermessliche steigen, weil die Nachfrage explodiert. Jeder kann sich theoretisch mehr leisten.

Die Kaufkraft deiner Millionen wird also eingeschränkt. Der Wert des Geldes würde sinken. Dein Millionärsleben ist nicht mehr so fancy, wie du es dir vorgestellt hast.

2. Wer macht die Arbeit?

Wenn jeder Millionär wäre, wer will dann noch 100% arbeiten? Viele Jobs, die unsere Gesellschaft am Laufen halten, im Gesundheitswesen, im Detailhandel oder in der Gastronomie, sind nicht extrem gut bezahlt. Wenn niemand mehr den finanziellen Druck hat, wer wird noch diese Jobs ausüben? Die Branchen haben bereits jetzt Probleme, die Stellen zu besetzen.

Wer möchte überhaupt noch unbeliebte Arbeiten machen? Wer repariert das Auto, wer putzt die Strassen, wer serviert im Restaurant? Der Arbeitskräftemangel würde noch weiter steigen.

Auch die Innovation könnte ausbleiben. Die Menschen haben weniger Anreiz, wirtschaftlich weiterzudenken.

Ich bin allerdings von der intrinsischen Motivation der Menschen überzeugt. Als Mensch möchte man etwas erschaffen, den Tag gestalten und arbeiten. Was würden wir alle mit der vielen freien Zeit anstellen?

Würden wir mehr ausländische Kräfte brauchen, die für uns die Arbeiten verrichten?

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3. Innovation lässt nach?

Würde die Innovation sinken? Wären die Menschen weniger bereit, neue Waren und Technologien zu entwickeln?

In einer sozialistischen Planwirtschaft wäre das bestimmt so. Aber wenn alle reich sind, würden vielleicht mehr Leute die Zeit und Musse finden, Dinge zu kreieren und zu erfinden? Würde das Millionärsdasein mehr Kreativität freilegen? Beispiel Elon Musk: er ist einer der reichsten Menschen der Welt und immer noch sehr umtriebig, obwohl er es nicht nötig hätte.

4. Luxus verliert an Bedeutung oder verlagert sich

Luxusgüter sind heute ein Statussymbol. Die teure Uhr, ein Auto, Markenklamotten oder das Einfamilienhaus. Aber was passiert, wenn jeder Millionär ist und sich solche Dinge leisten kann? Die Definition von Luxus würde sich verschieben. Oder sich einfach im Preis multiplizieren. Anstatt des Segelschiffs müsste es dann die James Bond Yacht in Dubai sein.

Ein Lamborghini würde nicht mehr als Statussymbol gelten, weil jeder Nachbar ebenfalls einen hat. Stattdessen werden andere Formen von Reichtum wichtig: Zeit, Gesundheit oder sich in die unberührte Natur zurückzuziehen.

5. Noch grösserer Umweltverschleiss

Wären alle Schweizerinnen und Schweizer noch reicher als jetzt, würden wir noch mehr reisen, grössere Autos kaufen, mehr konsumieren. Die Spirale dreht sich immer weiter, und die Umwelt leidet noch mehr. Verkehrsstau, Wohnungsnot und so weiter.

6. Vermögensungleichheit bleibt

Die Schweiz ist bereits reich, viele Einwohnerinnen und Einwohner besitzen ein anständiges Vermögen. Ein Teil der Bevölkerung hat aber kein Erspartes auf der Seite. Für sie ist ein hohes Preisniveau ein Problem.

Nur weil jeder Millionär ist, heisst das nicht, dass die finanziellen Unterschiede verschwinden. Wer bereits Immobilien, Aktien oder Firmen besitzt, wird weiterhin von Wertsteigerungen profitieren.

Immobilienpreise würden extrem teuer werden, da viele Menschen in Betongold investieren. Es gäbe weiterhin Reiche und Superreiche, nur auf einem anderen Niveau.

Der Neid und die soziale Ungleichheit würden nicht verschwinden.

Und was ist, wenn jemand seine Million schnell verschwendet, weil er oder sie nicht mit Geld umgehen kann?

7. Was passiert mit den Steuern?

Die Steuern würden sich verändern. Heute zahlen Millionäre hohe Steuern, aber wenn jeder Millionär ist, müssten sich die Steuerfüsse verändern. Vielleicht würden wir über eine Art “Ultra-Reichen-Steuer” nachdenken, um die Staatsausgaben zu decken. Die Frage nach gerechter Besteuerung verschwindet nicht, sie verlagert sich einfach.

Was ist, wenn jeder in der Schweiz Millionär ist?

Es klingt sehr nice, wenn jeder in der Schweiz Millionär wäre. Wenn wir an die wirtschaftlichen und sozialen Folgen denken, wird schnell klar, dass Reichtum relativ ist. Löst mehr Geld unsere Probleme? Nicht unbedingt. Was wirklich zählt, ist der Wert des Geldes und wie wir es nutzen, um unser Leben und das der Menschen zu verbessern.

Reichtum zeigt sich nicht nur auf deinem Bankkonto, sondern darin, wie du deine finanzielle Freiheit gestaltest, wie du mit Ressourcen umgehst und wie du in Relation zur Gesamtgesellschaft stehst.

“Gemäss dem UBS Global Wealth Report besassen zuletzt rund 1.1 Millionen Erwachsene in der Schweiz ein Vermögen von über einer Million US-Dollar, das entspricht etwa 16% der erwachsenen Bevölkerung.” Quelle: UBS Global Wealth Report

Spannender Watson Artikel: Wir verteilen mal die Vermögen der reichsten Schweizer auf alle


Millionäre in der Schweiz: Häufige Fragen

Wie viele Millionäre gibt es in der Schweiz?

Je nach Quelle und Berechnungsmethode variiert die Zahl. Der UBS Global Wealth Report beziffert rund 1.1 Millionen Erwachsene mit über einer Million US-Dollar Vermögen, das sind etwa 16% der erwachsenen Bevölkerung, der höchste Anteil weltweit.

Was würde bei allgemeinem Reichtum mit den Preisen passieren?

Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen würde stark steigen, was zu Inflation führt. Die Kaufkraft der einzelnen Million würde dadurch sinken.

Würde Vermögensungleichheit verschwinden, wenn alle Millionäre wären?

Nein, wer bereits vor der Verteilung Immobilien, Aktien oder Firmen besass, würde weiterhin überdurchschnittlich profitieren. Reichtum würde sich nur auf ein neues, höheres Niveau verschieben.

Was zählt als Millionär in der Schweiz?

Meist ein Reinvermögen von mindestens einer Million Franken oder US-Dollar. Je nach Statistik wird das Vorsorgevermögen aus Pensionskasse und Säule 3a mitgezählt oder nicht, was zu unterschiedlichen Zahlen führt.

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