Frugalismus in der Schweiz: was ich darüber denke

Frugalismus Schweiz: geht das wirklich, und lohnt es sich?

Update Juli 2026

Frugalismus Schweiz: Frugalistinnen und Frugalisten geben möglichst wenig Geld aus, um das Ersparte in den Vermögensaufbau zu stecken. Ziel ist die frühe finanzielle Freiheit, oft schon mit 40. In diesem Beitrag rechne ich dir vor, ob das in der teuren Schweiz für Normalverdienende realistisch ist, und teile meine persönliche Meinung dazu.

Kurz zusammengefasst
  • Frugalismus heisst radikales Sparen, um mit dem Ersparten möglichst früh von Dividenden, Zinsen oder Mieteinnahmen zu leben.
  • In der teuren Schweiz ist das für Normalverdienende mit der 4%-Entnahme-Regel kaum realistisch, wie meine Beispielrechnung weiter unten zeigt.
  • Frugalismus lohnt sich vor allem für sehr gut Verdienende, Selbstständige, oder Personen ohne grosse finanzielle Verpflichtungen.
  • Ich persönlich finde das Konzept der finanziellen Freiheit spannend, den radikalen frugalistischen Lebensstil aber nichts für mich.

Was ist Frugalismus?

Frugalistinnen und Frugalisten geben möglichst wenig Geld aus, um das Ersparte in den Vermögensaufbau fliessen zu lassen. Dieses Vermögen soll in 10 bis 20 Jahren alle finanziellen Bedürfnisse decken, dank Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen.

Das Ziel: jung in Rente gehen und von den Finanzerträgen leben. Frugalistinnen und Frugalisten wollen die finanzielle Freiheit möglichst früh erreichen und streichen alles, was nicht unbedingt nötig ist und Geld kostet. Sie bauen sich ein passives Einkommen auf, um später nicht mehr aktiv für ihr Geld arbeiten zu müssen, oft über Affiliate-Marketing sowie Dividenden aus Aktien und ETFs.

Frugalismus ist nicht Minimalismus

Es geht nicht in erster Linie um einen Protest gegen Konsum, wie beim Minimalismus, sondern darum, das gesparte Geld in eigene Investments zu stecken, die wiederum Geld bringen. Frugalistinnen und Frugalisten möchten später nur noch arbeiten, wenn sie Lust dazu haben, für mehr Zeit für Familie, Freizeit und eigene Projekte.

Typische Merkmale von Frugalisten

Woran erkennst du einen frugalistischen Lebensstil? Das sind die häufigsten Merkmale:

  • Sparsames Leben aus Überzeugung
  • Automatisierte Einkünfte wie Mieteinnahmen, Affiliate-Marketing oder Online-Kurse
  • Ausgaben konsequent reduzieren
  • Rabatte und Cashback überall nutzen
  • Gebrauchte Gegenstände statt Neukäufe
  • Ein Grossteil des Gehalts wird gespart
  • Möglichst günstig wohnen
  • Einkaufen im Discounter
  • Verzicht auf Suchtmittel wie Alkohol und Zigaretten
  • Kein eigenes Auto
  • Keine überteuerten Markenprodukte
  • Kaum Restaurantbesuche
  • Das gesparte Geld konsequent investieren, zum Beispiel in ETFs mit Selma oder Aktien mit Inyova

Die Rechnung: Rente mit 45 in der Schweiz

Oft wird die Rente mit 40 propagiert. Wer so früh in Rente gehen will, muss sehr früh mit Verdienen und Sparen beginnen. Viele kursierende Zahlen sind meiner Meinung nach unrealistisch und nur für Menschen machbar, die in kurzer Zeit sehr viel verdienen, gesund sind und keine anderen Verpflichtungen wie Kinder oder pflegebedürftige Eltern haben.

Rechnen wir ein konkretes Beispiel durch: Du möchtest mit 45 Jahren in Rente gehen. Zwischen 25 und 45 verdienst du CHF 60’000 netto im Jahr und sparst davon die Hälfte, also CHF 30’000 im Jahr.

PositionWert
Nettoeinkommen pro JahrCHF 60’000
Sparquote50%
Ersparnis pro JahrCHF 30’000
Spardauer20 Jahre
Angespartes Vermögen mit 45CHF 600’000
Auszahlung nach 4%-Regel pro JahrCHF 24’000
Das reicht nicht in der teuren Schweiz

CHF 24’000 im Jahr, also CHF 2’000 im Monat, decken in der Schweiz kaum die Fixkosten für Miete, Krankenkasse und Lebenshaltung, geschweige denn irgendeinen Puffer. Diese vereinfachte Rechnung ignoriert zudem Wertschwankungen, Steuern und die Vorsorge, in der Realität braucht es also noch mehr.

Normal- und Niedrigverdienende können sich den Traum der frühen Rente mit diesem Modell also grösstenteils abschminken. Dafür braucht es einen deutlich höheren Verdienst in kurzer Zeit, keine grösseren Verpflichtungen, und es dürfen keine Schicksalsschläge passieren. Meist braucht es zusätzlich ein eigenes Business, bei dem das Einkommen nach oben kaum begrenzt ist, mit einem klassischen Angestelltenverhältnis so viel zu sparen, ist sehr schwierig.

Meiner Meinung nach schüren viele Frugalisten-Bücher falsche Hoffnungen. Finanzielle Freiheit durch Frugalismus zu erreichen ist nur für wenige Menschen in sehr günstigen Umständen überhaupt möglich.

Realistischer ist oft ein Zwischenziel: Du reduzierst dein Arbeitspensum, etwa ab 45 Jahren auf 50%, und deckst den Rest teilweise durch Dividenden. Bedenke dabei aber, dass Dividenden gekürzt oder gestrichen werden können und Aktienkurse massiv fallen können, dann geht die Rechnung nicht mehr auf.

Für wen ist die Rente mit 40 in der Schweiz realistisch?

Guter Ausgangspunkt

Sehr gut Verdienende

Unternehmerinnen und Selbstständige

Personen, die geerbt haben

Keine Kinder oder pflegebedürftige Eltern

Eigene Immobilien im Portfolio

Zusätzliche Hürden

Normal- oder Niedrigverdienende

Familie mit Kindern zu versorgen

Gesundheitliche Einschränkungen

Kein Business mit Skalierungspotenzial

Unerwartete Schicksalsschläge

Investieren in der Schweiz

Egal ob radikaler Frugalismus oder einfach mehr sparen, dein Geld muss investiert sein, damit es für dich arbeitet. Diese Anbieter nutze ich selbst dafür, mit meinen persönlichen Gutscheincodes für den Einstieg:

Swissquote
Mein Hauptdepot für Aktien und ETFs, grösster Schweizer Online-Broker.
MKT_LIEBEFINANZENCHF 100 Trading Credits Jetzt Bonus sichern →
Yuh
Für den Einstieg bereits ab CHF 10, dank Bruchteilsaktien.
YUHLIEBECHF 50 + 250 Swissqoin Jetzt Bonus sichern →
Selma Finance
Automatischer ETF Sparplan, ideal für konsequentes, passives Investieren.
liebefinanzen12 Mt. gratis investieren Jetzt Bonus sichern →
Inyova
Nachhaltige Einzelaktien nach deinen persönlichen Werten.
LIEBE-FINANZEN12 Mt. gebührenfrei Jetzt Bonus sichern →

*Affiliate-Links. Bei einer Anmeldung über diese Links erhältst du die beschriebenen Boni, und ich erhalte gegebenenfalls eine Provision.

Meine persönliche Meinung zu Frugalismus in der Schweiz

Mit dem Konzept der finanziellen Freiheit kann ich mich sehr gut anfreunden. Nur der Weg des Frugalismus ist für mich keine Option. Ein etwas minimalistischeres Leben kann ich mir vorstellen, aber keinen frugalistischen Lebensstil. Der Sparstil und die Methoden vieler Frugalistinnen und Frugalisten sind mir persönlich zu extrem, auch das Sparen bei Lebensmitteln käme für mich nie infrage.

Wenn jemand für sich selbst frugalistisch lebt, ist das völlig in Ordnung. Wenn diese Person ihren Lebensstil aber dem Bekanntenkreis oder der Familie aufzwingt, finde ich das schwierig. Wer an einer Geburtstagsparty aus reinem Geiz nur ein Mikro-Geschenk mitbringt, dafür aber voll beim Buffet zuschlägt, handelt für mich einfach unangemessen. Und wer bei Freundinnen und Familie schmarotzt, nur um selbst möglichst kein Geld auszugeben, ohne je etwas zurückzugeben, kann bei mir nur Kopfschütteln auslösen.

Ein Privileg, kein Muss

Diese freiwillige Sparsamkeit ist zudem nur in reichen Ländern überhaupt möglich. Wir sind privilegiert, uns darüber überhaupt Gedanken machen zu können.

Was ich am Frugalismus trotzdem spannend finde

  • Das Gedankenspiel dahinter
  • Dass es Alternativen zur klassischen Rente mit 64 oder 65 gibt
  • Sparen muss nicht nur Verzicht heissen, sondern kann auch Freiheit bedeuten
  • Du wirst dir bewusst, welche Zusammenhänge Geld und Zeit haben
  • Du bist weniger an Gegenstände gebunden
  • Du überdenkst den Konsum-Wahn und reduzierst dich aufs Wesentliche

Häufige Fragen zu Frugalismus in der Schweiz

Was bedeutet Frugalismus genau?

Frugalismus heisst, möglichst wenig Geld auszugeben und den Rest konsequent zu investieren, mit dem Ziel, möglichst früh von den Erträgen leben zu können.

Ist Frugalismus in der Schweiz realistisch?

Für Normalverdienende kaum. Die hohen Lebenshaltungskosten in der Schweiz erschweren es, in wenigen Jahren genug Kapital für eine frühe Rente anzusparen.

Reicht CHF 600’000 für eine Rente mit 45?

Nach der 4%-Entnahme-Regel ergibt das rund CHF 24’000 im Jahr, das deckt in der Schweiz kaum die laufenden Lebenshaltungskosten.

Was ist der Unterschied zwischen Frugalismus und Minimalismus?

Minimalismus ist primär ein bewusster Verzicht auf Konsum. Frugalismus geht weiter und nutzt das gesparte Geld gezielt für den Vermögensaufbau, mit dem Ziel der frühen finanziellen Unabhängigkeit.

Für wen lohnt sich Frugalismus am ehesten?

Für sehr gut Verdienende, Selbstständige oder Personen ohne grosse finanzielle Verpflichtungen wie Kinder oder pflegebedürftige Eltern.

Fazit

Frugalismus klingt verlockend, ist aber in der teuren Schweiz für die meisten Normalverdienenden kaum in vollem Umfang umsetzbar. Realistischer ist oft ein Zwischenziel wie ein reduziertes Arbeitspensum statt der kompletten frühen Rente. Persönlich finde ich das Konzept der finanziellen Freiheit spannend, den radikalen frugalistischen Lebensstil aber nichts für mich.

Was denkst du zum Thema Frugalismus in der Schweiz? Folgst du vielleicht sogar einem Frugalisten-Blog, oder geniesst du bereits deine finanzielle Unabhängigkeit?

*Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links.

Newsletter abonnieren und Finanzbücher-Liste erhalten

* Angaben erforderlich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert