Nachlass Schweiz, wissen deine Angehörigen, wo dein Geld ist?
Du beschäftigst dich mit Finanzen und probierst gerne verschiedene Depots und Bankkonten aus. Deine Kinder, dein Partner oder deine Eltern haben mit deinem Finanz-Hobby aber nichts zu tun und wissen vielleicht gar nicht, wo du überall Geld deponiert und investiert hast. Was würde passieren, wenn du unverhofft einen Unfall hast oder nicht mehr ansprechbar bist? In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie ein Nachlass in der Schweiz abläuft und wie du deine Angehörigen vorbereitest.
Kurz zusammengefasst
Nach einem Todesfall werden alle Konten und Depots des Verstorbenen zunächst blockiert. Deine Erben brauchen einen Erbschein, um wieder Zugriff zu erhalten, das dauert je nach Kanton oft mehrere Wochen. Am einfachsten machst du es deinen Angehörigen, wenn du schon zu Lebzeiten eine Übersicht über deine Konten, Depots und Logins an einem sicheren Ort hinterlegst.
Zuletzt aktualisiert und faktengeprüft am 28. Juli 2026
Vieles läuft heute nur noch digital
Würden deine Angehörigen wissen, wo dein Geld investiert ist? Du möchtest sicher, dass deine Erben später an das Geld herankommen. Die wenigsten Menschen wollen sich zu Lebzeiten über einen Todesfall Gedanken machen, das ist absolut verständlich. Trotzdem passiert es. Jede Person hat im eigenen Umfeld schon einmal von einem unerwarteten Todesfall oder einem schweren Unfall gehört.
Das digitale Zeitalter macht die Übersicht für die Hinterbliebenen zusätzlich komplizierter. Vieles ist nur noch über Logins und Passwörter erreichbar, gedruckte Belege gibt es oft keine mehr. Was passiert, wenn dein Computer oder Handy durch ein Passwort geschützt ist und niemand ausser dir den Code kennt?
Es kann kein Depot oder Konto auf den Namen einer verstorbenen Person weitergeführt werden. Die Konten werden aufgelöst und auf die Erben verteilt, vorausgesetzt, die Bank oder der Broker hat Kenntnis davon, wer die rechtmässigen Erben sind. Swissquote zum Beispiel hat immer wieder herrenlose Depots, die niemandem mehr zugeordnet werden können, weil sich niemand meldet. Das ist besonders schade, wenn die Nachkommen nach 10 oder 20 Jahren durch ein gewachsenes Aktien-Depot reich werden könnten, aber gar nichts davon wissen.
Was passiert nach einem Todesfall
Damit du dir den Ablauf besser vorstellen kannst, hier die wichtigsten Schritte, die auf Angehörige nach einem Todesfall in der Schweiz zukommen.
- Todesfall melden. Der Tod wird beim Zivilstandsamt am Sterbeort gemeldet, meist übernimmt das die Bestattungsfirma oder das Spital
- Konten und Depots werden blockiert. Banken und Broker sperren die Konten der verstorbenen Person automatisch, sobald sie vom Todesfall erfahren
- Erbschaft annehmen oder ausschlagen. Die Erben haben ab Kenntnis des Todesfalls drei Monate Zeit, um die Erbschaft anzunehmen oder auszuschlagen, zum Beispiel bei zu hohen Schulden
- Testament eröffnen lassen, falls vorhanden. Ein Testament oder ein Erbvertrag muss zuerst offiziell eröffnet werden, bevor der Erbschein beantragt werden kann
- Erbschein beantragen. Bei der zuständigen kantonalen Stelle wird der Erbschein beantragt, das kann je nach Fall mehrere Wochen dauern
- Zugriff auf Konten und Depots. Mit dem Erbschein können die Erben bei Banken und Brokern das Geld der verstorbenen Person auslösen und untereinander aufteilen
- Steuererklärung des Todesjahres einreichen. Die Erbengemeinschaft muss die letzte Steuererklärung der verstorbenen Person ausfüllen und bezahlen
Der Erbschein in der Schweiz
Deine Angehörigen kommen nicht sofort an das Geld heran, dafür braucht es zuerst einen Erbschein, auch Erbbescheinigung oder Erbenschein genannt. Wer diesen ausstellt, ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt. Je nach Wohnort ist das Erbschaftsamt, die Teilungsbehörde der Gemeinde, das Regierungsstatthalteramt oder ein Notariat zuständig.
Auf dem Erbschein werden alle gesetzlichen Erben aufgeführt. Damit kann die Erbengemeinschaft bei Banken, Brokern und anderen Stellen das Geld der verstorbenen Person auslösen. Auch der Ehepartner kommt nicht einfach so ohne diesen Erbschein an das Geld auf der Bank, selbst wenn das Konto auf beide Namen lautet. Bei komplizierteren Erbteilungen braucht es unter Umständen zusätzlich einen Notar, der die Verteilung organisiert.
| Merkmal | Richtwert |
|---|---|
| Frist für Annahme oder Ausschlagung | 3 Monate ab Kenntnis des Todesfalls |
| Bearbeitungsdauer Erbschein | meist 4 bis 12 Wochen |
| Kosten Erbschein | CHF 100 bis mehrere Tausend Franken, je nach Kanton |
| Zuständige Stelle | Erbschaftsamt, Teilungsbehörde, Notariat oder Regierungsstatthalteramt, je nach Kanton |
Richtwerte zur Orientierung. Die genauen Fristen und Gebühren hängen vom Kanton und der Komplexität des Falls ab.
Wo du für den Ernstfall vorsorgen kannst
Du könntest deine Login-Daten, Bankkonten, Investments und passiven Einkommensquellen im Internet auf einem Blatt Papier notieren und an einem Ort deponieren, wo deine Angehörigen im Ernstfall Zugang haben. Natürlich braucht das auch ein gewisses Vertrauen, Einbrecher sollten dein Versteck keinesfalls finden. Du kannst deine Angehörigen auch anderweitig über deine Geldverhältnisse informieren. Hauptsache, sie wissen Bescheid und könnten im Ernstfall rasch darauf zugreifen.
- Passives Einkommen im Internet. Notiere Webseiten und Passwörter, zum Beispiel für Google AdSense, Affiliate-Einnahmen über Amazon oder Drop-Shipping, sonst versandet dieses Einkommen im Internet
- Zugang zum Computer. Vieles ist nur noch digital einsehbar, Banken versenden kaum noch Auszüge auf Papier. Sollen deine Angehörigen auf deinen PC zugreifen können? Ist das Login passwortgeschützt?
- Aktien- und ETF-Depots. Hast du ein Depot bei Swissquote, Degiro, Selma, Inyova oder einem anderen Broker? Notiere die Login-Daten oder drucke die Belege aus und hefte sie ab
- Kreditkarten. Halte fest, wo du überall Kreditkarten hast
- Bankkonten. Notiere alle Bankkonten, auch solche bei kleineren Neobanken
- Handy. Ein heikler und sehr persönlicher Punkt, überlege dir, ob du den Code für deine Nachkommen notieren möchtest
- Lebensversicherung. Sinnvoll, wenn andere Menschen finanziell von dir abhängig sind
Haus vererben in der Schweiz
Gibt es ein Haus zu vererben, sollte die Eigentümerin oder der Eigentümer noch zu Lebzeiten einen Erbvertrag erstellen lassen. Folgende Situation ist recht geläufig. Ein Ehepaar besitzt gemeinsam ein Haus, je zur Hälfte, und hat zwei Kinder. Stirbt nun ein Ehepartner, wird der Wert seines Hausanteils nach der gesetzlichen Erbfolge aufgeteilt.
Rechenbeispiel. Das Haus ist CHF 800’000 wert, je CHF 400’000 pro Ehepartner. Stirbt der Ehemann, geht sein Anteil von CHF 400’000 in den Nachlass. Ohne Testament erbt die Ehefrau als gesetzliche Erbin die Hälfte davon, also CHF 200’000, zusätzlich zu ihrem eigenen Anteil von CHF 400’000. Die restlichen CHF 200’000 erben die beiden Kinder zu gleichen Teilen.
Hat die Mutter dieses Geld nicht bereits als Bargeld auf dem Konto und verzichten die Kinder nicht freiwillig auf ihren Anteil, muss die Mutter im schlechtesten Fall das Haus verkaufen, um die Kinder auszuzahlen.
Deshalb würde ich Ehepartnern empfehlen, zu Lebzeiten einen Erbverzichtsvertrag mit den Kindern zu erstellen. Sonst muss die überlebende Person im ungünstigsten Fall das Haus verkaufen und das Geld verteilen. In intakten Familien verzichten Kinder oft ganz selbstverständlich auf ihr Erbe. Ist die Ausgangslage schwieriger, etwa wenn ein Erbberechtigter auf sein Geld angewiesen ist oder darauf besteht, kann es deutlich komplizierter werden.
Steuererklärung bei einem Todesfall
Empfehlenswert ist, ein Testament zu erstellen und es zusammen mit deinen Finanz-Informationen bei einem Notar zu hinterlegen. Ein weiterer wichtiger Anhaltspunkt für deine Nachkommen ist deine letzte Steuererklärung. Dort sind deine finanziellen Verhältnisse, alle Bankkonten und Depots idealerweise bereits gelistet.
Die Steuererklärung zum Todeszeitpunkt muss von der Erbengemeinschaft ausgefüllt und auch bezahlt werden. Wenn nicht alle Dokumente und Informationen beisammen sind, kann das schnell mühsam werden. Ich kann dir nur empfehlen, das Geld für eine Treuhänderin oder einen Treuhänder auszugeben, das ist im Ernstfall eine grosse Erleichterung.
Ein Todesfall ist für die Erben nicht nur eine emotionale, sondern immer auch eine finanzielle Angelegenheit, im positiven wie im negativen Sinne. Nicht jede verstorbene Person hinterlässt ein Vermögen, manchmal sind es auch Schulden.
Häufige Fragen zum Nachlass in der Schweiz
Was passiert mit einem Aktien-Depot bei einem Todesfall?
Wie lange dauert es, bis Erben an das Geld herankommen?
Muss ich eine Erbschaft annehmen?
Wo beantrage ich einen Erbschein?
Was kann ich schon zu Lebzeiten für meine Angehörigen vorbereiten?
Mein Fazit zum Nachlass in der Schweiz
Wenn du deine finanziellen Verhältnisse sauber regelst, werden es dir deine Erben danken. Scheue dich nicht, für Fragen zu deinem Testament oder deinem Nachlass eine Fachperson wie einen Notar oder eine Treuhänderin aufzusuchen. Auch wenn diese Dienste nicht günstig sind, sind sie im Ernstfall eine grosse Entlastung für deine Angehörigen.
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