Pensionskasse · Rente oder Kapital
Kapitalbezug PK
Wer am wenigsten hat, riskiert am meisten. Was eine Leserzuschrift und die Zahlen von BFS und Publica zeigen.
Eine Leserin hat mich auf einen Fehler in einem meiner Artikel hingewiesen. Es ging um eine falsche Prozentzahl zum Kapitalbezug aus der Pensionskasse. Ich habe sie korrigiert. Ihr Hinweis hat mich aber zu einer Erkenntnis geführt, die mich seither nicht mehr loslässt.
Wer bezieht sein Pensionskassengeld als Kapital?
Laut Bundesamt für Statistik nahmen 2024 45 % der Neupensionierten nur Kapital, 36 % nur die Rente und 19 % beides. Eine Studie der Pensionskasse des Bundes (Publica) mit ca. 13’000 Pensionierungen zeigt, dass Versicherte mit dem tiefsten Altersguthaben deutlich häufiger Kapital beziehen, ca. 18 Prozentpunkte mehr als die anderen. Wer Kapital nimmt, trägt das Risiko eines langen Lebens und der Börse selbst. Wer wenig Reserven hat, kann dieses Risiko am schlechtesten tragen.
Der Fehler, den ich korrigiert habe
In einem früheren Artikel stand, über 80 % der Versicherten würden bei der Pensionierung das Kapital statt der Rente nehmen. Die Zahl stammte aus der Studie eines Marktforschungsunternehmens, das offenbar Pensionskassen- und Säule-3a-Gelder vermischt hat. Die offizielle Neurentenstatistik des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigt ein anderes Bild.
- Nur Kapital 45 %
- Nur Rente 36 %
- Rente und Kapital 19 %
Bezugsart in der 2. Säule, BFS-Neurentenstatistik 2024, publiziert am 27. November 2025.
Ich habe den Artikel korrigiert. Danke an alle, die genau hinschauen und mich auf solche Fehler hinweisen. Das macht diesen Blog besser.
Der Kapitalbezug nimmt stark zu
Die Publica hat ca. 13’000 eigene Pensionierungen von 2013 bis 2023 ausgewertet. Publica ist die Pensionskasse des Bundes. Die Zahlen gelten also für ihre Versicherten und nicht für die ganze Schweiz. Der Trend ist trotzdem deutlich.
Quelle Publica, Studie «Rente oder Kapital?» von Fabio Haufler, November 2024. Bei der Publica ist der reine Kapitalbezug seltener als im Schweizer Schnitt.
Wer nimmt das Kapital?
Die Leserin brachte noch einen zweiten Punkt ein, der mich mehr beschäftigt als die Prozentzahl selbst. Wer sein Pensionskassengeld als Kapital bezieht, hat davon oft gerade nicht besonders viel. Die Publica-Studie bestätigt das.
- Das Fünftel mit dem tiefsten Altersguthaben bezieht ca. 18 Prozentpunkte mehr Kapital als die anderen Gruppen.
- Dieser Abstand ist gewachsen, von ca. 13 Prozentpunkten (2013 bis 2014) auf ca. 22 Prozentpunkte (2021 bis 2023).
- Männer beziehen ca. 7 Prozentpunkte mehr Kapital als Frauen, zuletzt sogar ca. 11 Prozentpunkte.
Wichtig für die Einordnung
«Tief» ist relativ. Bei der Publica hatte das tiefste Fünftel ein Altersguthaben von unter CHF 425’000. Viele Versicherte in der Schweiz haben deutlich weniger. Die Studie zeigt also einen Zusammenhang innerhalb einer Pensionskasse, nicht für die ganze Schweiz. Die Richtung ist trotzdem klar.
| Medianwert 2024 | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| Kapitalbezug | CHF 201’825 | CHF 82’942 |
| Rente pro Monat | CHF 2’042 | CHF 1’227 |
| Nur Kapital bezogen | 45 % | 44 % |
| Nur Rente bezogen | 32 % | 42 % |
Quelle BFS-Neurentenstatistik 2024. Der Median ist der mittlere Wert, die Hälfte liegt darüber, die Hälfte darunter.
Frauen beziehen also im Mittel weniger als halb so viel Kapital wie Männer. Fast gleich viele nehmen aber das ganze Guthaben auf einmal. Bei kleinen Beträgen ist der Puffer für ein langes Leben entsprechend dünn.
Die Gründe und die Rolle der Beratung
Die Publica hat 2024 ca. 1’400 Pensionierte befragt. Beim reinen Kapitalbezug stehen die Steuern an erster Stelle.
Danach folgen Vermögenssituation und Erbschaft. Quelle Publica-Studie 2024.
Auffällig ist, wer berät. Wer Kapital nimmt, holt sich viel häufiger Rat von aussen. Bankberater werden dabei ca. doppelt so oft genannt wie bei der Rente, Finanz- und Vorsorgeberater fast dreimal so oft. Wer die Rente wählt, fragt eher Familie, Freunde oder den Arbeitgeber.
Quelle Publica-Studie 2024. Insgesamt stieg der Anteil mit externer Beratung in zehn Jahren von gut 30 % auf ca. 60 %.
Das ist ihre persönliche Einschätzung aus der Praxis, keine repräsentative Studie. Sie passt aber zu den Publica-Zahlen. Und fairerweise gehört auch das dazu. 94 % der Befragten würden heute wieder gleich entscheiden, egal ob Rente oder Kapital.
Warum das Risiko ungleich verteilt ist
Bei der Rente trägt die Pensionskasse das Risiko eines langen Lebens. Egal wie alt du wirst, die Rente fliesst weiter. Beim Kapital trägst du dieses Risiko selbst, dazu das Risiko der Börse.
Durchschnittliche Lebenserwartung mit 65 laut BFS-Sterbetafel 2024, Männer 20.4 Jahre, Frauen 23.0 Jahre. Die Hälfte lebt länger.
Das heisst, das Kapital muss im Schnitt 20 bis 23 Jahre reichen. Weil das ein Durchschnitt ist, lebt ca. die Hälfte länger, viele werden über 90. Planst du nur mit dem Durchschnitt, reicht das Geld bei jeder zweiten Person nicht.
Genau die Gruppe ohne Puffer wählt aber überdurchschnittlich oft das ganze Kapital. Das ist das Gegenteil von dem, was man von einer Absicherung erwarten würde. Ist das Geld zu schnell weg, bleiben oft nur Ergänzungsleistungen. Wie streng die Regeln dort sind, liest du in Vermögensverzehr einfach erklärt.
Rechner, wie lange reicht dein Kapital?
Vereinfachte Rechnung mit gleichbleibender Entnahme und gleichmässiger Rendite, ohne Steuern und Teuerung. In echt schwanken die Renditen, ein Crash in den ersten Jahren verkürzt die Dauer. Keine Garantie.
Rente oder Kapital im Überblick
🔁 Rente
Pensionskasse trägt das Risiko- fliesst lebenslang, egal wie alt du wirst
- planbares Einkommen jeden Monat
- kein Anlagerisiko für dich
- Ehepartner erhält meist eine Witwen- oder Witwerrente
💰 Kapital
du trägst das Risiko- muss 20 Jahre und länger reichen
- ein Crash trifft dich direkt
- Beratung und Verwaltung kosten Geld
- dafür flexibel und vererbbar
| Thema | Rente | Kapital |
|---|---|---|
| Steuern | jedes Jahr als Einkommen voll steuerbar | einmal reduziert besteuert, danach Vermögenssteuer und Steuer auf Erträge |
| Langes Leben | kein Problem | Geld kann ausgehen |
| Früher Tod | Restguthaben bleibt meist in der Kasse, ausser Hinterlassenenrenten | Rest geht an die Erben |
| Börse | kein Risiko für dich | Gewinne und Verluste bei dir |
| Passt eher, wenn | AHV plus Rente gerade für die Fixkosten reichen | Fixkosten sonst gedeckt sind und du anlegen kannst |
Allgemeine Übersicht. Die Regeln für Hinterlassene stehen im Reglement deiner Pensionskasse.
3 Fragen, bevor du unterschreibst
Diese Zahlen sind kein Grund für ein schlechtes Gewissen. Ein Kapitalbezug ist für viele die richtige Wahl. Sie sind aber ein guter Anlass, ein paar Fragen ehrlich zu beantworten.
Wie lange musst du mit dem Geld auskommen? Rechne eher bis 90 oder 95 als bis 85. Die Lebenserwartung steigt weiter.
Wer hat dir zum Kapitalbezug geraten, und was verdient diese Person daran? Ein Vermögensverwaltungsmandat kostet dich über 20 Jahre schnell sechsstellige Beträge. Das rechne ich in Kapitalbezug und Banken vor.
Reichen AHV und Rente für die Grundkosten? Wenn nicht, ist eine garantierte Rente oft die sicherere Basis. Deine AHV schätzt du mit meinem AHV-Rentenrechner.
Mein Tipp
Es muss nicht alles oder nichts sein. Viele kombinieren eine Rente für die Fixkosten mit etwas Kapital für Freiheit und Reserven. Wer Kapital bezieht, kann Steuern sparen, wenn er die Bezüge aus Pensionskasse, Freizügigkeit und Säule 3a über mehrere Jahre verteilt. Wie das geht, zeige ich in Pensionskasse splitten.
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Häufige Fragen
Wie viele Neupensionierte beziehen Kapital statt Rente?
Laut BFS-Neurentenstatistik 2024 nahmen 45 % nur Kapital, 36 % nur die Rente und 19 % eine Kombination aus beidem.
Beziehen Menschen mit wenig PK-Vermögen häufiger Kapital?
Ja, das zeigt eine Studie der Publica von 2024. Das Fünftel mit dem tiefsten Altersguthaben bezieht ca. 18 Prozentpunkte mehr Kapital als die anderen Gruppen. Bei der Publica lag dieses Fünftel unter CHF 425’000.
Beziehen Männer oder Frauen häufiger Kapital?
Bei der Publica beziehen Männer ca. 7 Prozentpunkte mehr Kapital als Frauen. Laut BFS nehmen Frauen häufiger nur die Rente, 42 % gegenüber 32 % bei den Männern.
Wie lange muss das Kapital ab 65 reichen?
Im Schnitt leben Männer ab 65 noch ca. 20 Jahre, Frauen ca. 23 Jahre. Die Hälfte lebt länger, darum ist es sinnvoll, bis 90 oder 95 zu planen.
Was ist das Langlebigkeitsrisiko?
Das Risiko, länger zu leben, als das bezogene Kapital reicht. Bei der Rente trägt die Pensionskasse dieses Risiko, beim Kapitalbezug trägst du es selbst.
Warum beziehen so viele Kapital?
Laut Publica-Umfrage vor allem wegen der Steuern (56 %), einer eigenen Anlagestrategie (32 %), Geldbedarf wie einer Hypothek (30 %) und dem tiefen Umwandlungssatz (29 %).
Mein Fazit
Der Fehler mit den 80 % ist korrigiert. Die wichtigere Erkenntnis bleibt. Nicht alle, die das Kapital beziehen, tun das aus einer Position der Stärke. Gerade wer wenig hat, geht überdurchschnittlich oft das grössere Risiko ein und wird dabei oft von aussen beraten. Stehst du vor dieser Entscheidung, schau genau hin, wer dir was rät und warum.
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Quellen: Publica, Studie Rente oder Kapital, November 2024 · BFS, Neurentenstatistik 2024 · BFS, Lebenserwartung. *Werbung, Affiliate-Links. Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlage- oder Vorsorgeberatung. Stand Oktober 2026.

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