Zinseszinseffekt erklärt: So wächst dein Vermögen exponentiell
Auf Instagram zeige ich regelmässig mein Swissquote Dividenden Depot. Mein Ziel: in ein paar Jahren von den Dividenden leben zu können. Das Depot ist noch im Aufbau, deshalb reinvestiere ich normalerweise alle Ausschüttungen wieder. Als ich einmal nach den Ferien eine Ausnahme machte und mir Dividenden aufs Bankkonto überweisen liess, um Rechnungen zu bezahlen, kam bei meinen Followern eine gute Frage auf, die ich hier beantworte.
Der Zinseszinseffekt entsteht, wenn du Erträge (Dividenden, Zinsen) nicht auszahlst, sondern wieder investierst. Dadurch verdienst du in Zukunft nicht nur auf dein ursprüngliches Kapital, sondern auch auf die bereits reinvestierten Erträge. Über viele Jahre wächst dein Vermögen dadurch exponentiell statt linear. Zahlst du dir alle Erträge sofort aus, entgeht dir dieser Zusatzeffekt.
- Grundprinzip Erträge reinvestieren statt auszahlen
- Effekt exponentielles statt lineares Wachstum
- Verstärkt sich durch Zeit und Anzahl Reinvestitionen
- Ohne Aufwand möglich mit thesaurierenden ETFs oder Robo-Advisorn
- Zu beachten Courtage bei jedem manuellen Nachkauf
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Normalerweise reinvestiere ich alle Dividenden, damit mein Vermögensaufbau schneller vorankommt. Würde ich mir regelmässig Beträge auszahlen, würde ich kaum vom Zinseszins profitieren, das Depot soll ja wachsen.
Wie funktioniert der Zinseszinseffekt?
Reinvestierst du deine Erträge, verdienst du in Zukunft nicht nur auf dein ursprünglich investiertes Geld, sondern zusätzlich auf die Erträge, die du bereits reinvestiert hast. Du wiederholst diesen Vorgang immer wieder, und der Gesamtbetrag wächst dadurch immer schneller. Der Wert des angelegten Geldes steigt beim Zinseszins exponentiell statt linear, ich stelle mir dabei immer einen Schneeball vor, der den Hang hinunterrollt und dabei immer dicker wird.
Linear bedeutet, dein Vermögen wächst jedes Jahr um denselben Betrag. Exponentiell bedeutet, es wächst jedes Jahr um denselben Prozentsatz, und dieser Prozentsatz wird auf eine immer grössere Basis angewendet. Das macht den Unterschied über viele Jahre gewaltig.
Illustrative Grafik, kein exaktes Modell. Zeigt das Prinzip: Beim linearen Wachstum bleibt der jährliche Zuwachs immer gleich hoch, beim Zinseszins wird die Kurve mit den Jahren zunehmend steiler.
Rechenbeispiel mit Nestlé-Aktien
Am besten lässt sich der Effekt an einem konkreten Beispiel erklären. Angenommen, du kaufst 250 Nestlé-Aktien zu einem Kurs von rund CHF 80, das entspricht einem Depotwert von etwa CHF 20’000. Nestlé zahlt aktuell eine Dividende von CHF 3.10 pro Aktie und Jahr, das ergibt CHF 775 brutto Dividenden.
Reinvestierst du diese CHF 775 wieder in Nestlé-Aktien, hältst du im Depot Aktien im Wert von CHF 20’000 + CHF 775 = CHF 20’775. Im nächsten Jahr erhältst du dann Dividenden auf diesen höheren Betrag, nicht mehr nur auf die ursprünglichen CHF 20’000, unter Berücksichtigung von Kursschwankungen. So steigt der Gesamtbetrag jedes Jahr etwas schneller.
So entwickelt sich dein Depot über 5 Jahre
Zur Veranschaulichung eine vereinfachte Modellrechnung, ohne Kursveränderung, nur mit reinvestierter Dividendenrendite von rund 3.9%:
| Jahr | Depotwert zu Jahresbeginn | Dividende reinvestiert |
|---|---|---|
| 1 | CHF 20’000 | CHF 775 |
| 2 | CHF 20’775 | CHF 805 |
| 3 | CHF 21’580 | CHF 836 |
| 4 | CHF 22’416 | CHF 868 |
| 5 | CHF 23’284 | CHF 902 |
Vereinfachtes Modell ohne Kursveränderung, nur zur Illustration des Zinseszinseffekts. Keine Anlageberatung, keine Kursprognose.
Der jährliche Zuwachs allein durch reinvestierte Dividenden wächst so von CHF 775 im ersten auf CHF 902 im fünften Jahr, ganz ohne dass du zusätzliches Geld einzahlst. Über Jahrzehnte betrachtet wird dieser Effekt noch deutlich stärker.
Nachteil beachten: Gebühren
Bei jedem manuellen Nachkauf von Aktien fallen Courtagen an. Es kann daher sinnvoll sein, Dividenden erst bis zu einem gewissen Betrag anzusparen, bevor du reinvestierst, statt bei jeder kleinen Ausschüttung sofort nachzukaufen. Bedenke auch: Dividenden können gekürzt oder gestrichen werden, und Aktienkurse schwanken in beide Richtungen.
Ohne Aufwand: thesaurierende ETFs
Möchtest du den Zinseszinseffekt nutzen, ohne bei jeder Reinvestition Gebühren zu zahlen, sind thesaurierende ETFs eine gute Option. Dort werden Ausschüttungen automatisch und ohne zusätzliche Transaktionskosten reinvestiert. Richte dir dafür am besten gleich einen ETF-Sparplan ein, zum Beispiel den gratis ETF-Sparplan bei Yuh. Alternativ übernehmen Robo-Advisor wie Selma oder Findependent das Reinvestieren automatisch für dich. Interessierst du dich für nachhaltige Aktien, schau dir Inyova an.
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Häufige Fragen zum Zinseszinseffekt
Was ist der Unterschied zwischen Zins und Zinseszins?
Zins erhältst du nur auf dein ursprüngliches Kapital. Zinseszins entsteht, wenn du diese Zinsen oder Dividenden reinvestierst und dadurch künftig auch auf die bereits erhaltenen Erträge weitere Erträge erhältst.
Verliere ich den Zinseszinseffekt, wenn ich Dividenden auszahle statt reinvestiere?
Ja, wenn du dir Erträge regelmässig auszahlst statt sie zu reinvestieren, wächst dein Kapital linear statt exponentiell. Das ist aber kein Fehler, sondern eine bewusste Entscheidung, wenn du zusätzliches Einkommen aus deinem Depot möchtest.
Wie kann ich den Zinseszinseffekt ohne Aufwand nutzen?
Mit thesaurierenden ETFs oder einem Robo-Advisor, dort werden Ausschüttungen automatisch reinvestiert, ohne dass du selbst aktiv werden musst.
Lohnt sich der Zinseszinseffekt auch bei kleinen Beträgen?
Ja, gerade bei einem langen Anlagehorizont zählt vor allem die Zeit, nicht die Höhe der Startsumme. Selbst mit kleinen monatlichen Beträgen lohnt sich ein ETF-Sparplan, mehr dazu in meinem Beitrag Mit CHF 10 in ETFs investieren: lohnt es sich?
Fazit
Möchtest du von Anfang an ein kleines “Taschengeld” dank Dividenden, darfst du dir die Beträge selbstverständlich auszahlen. Möchtest du aber ein grösseres Vermögen aufbauen, ist es sinnvoll, die Erträge zu reinvestieren, damit der Zinseszinseffekt nicht unterbrochen wird. Oder du wählst von Anfang an thesaurierende ETFs, dann musst du dich gar nicht mehr darum kümmern.
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Finanzbloggerin
Zertifizierte Vermögensberaterin IAF
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