Säule 3a Aktien: Zahlt man dadurch mehr Steuern?
Zuletzt aktualisiert im Juli 2026 · Lesezeit ca. 6 Minuten
Kurzfristig nein: Während der Einzahlungsjahre sparst du mit der Säule 3a Steuern, unabhängig davon, ob das Geld auf einem Konto liegt oder in Aktien investiert ist. Langfristig kann es aber sein, dass die Steuer beim Bezug höher ausfällt als die gesamte Steuerersparnis über die Jahre, einfach weil dein Vermögen durch die Aktien so stark gewachsen ist. Das ist aber kein Nachteil, sondern eine Folge des Erfolgs: Unter dem Strich bleibt trotzdem deutlich mehr übrig, als wenn du auf Wertschriften verzichtet hättest.
Überall heisst es, du sollst die Säule 3a in Aktien investieren. Bei einem so langen Anlagehorizont wäre es schade, alles auf dem Bankkonto liegen zu lassen und der Inflation zu überlassen.
Während einer Diskussion mit Followerinnen und Followern kam die Frage auf, ob Aktien in der Säule 3a beim Bezug zu einer Art Steuerfalle werden könnten, dass man am Ende also mehr Steuern zahlt, als man über die Jahre gespart hat. Genau dieser Frage gehe ich hier nach.
- Einzahlungen in die Säule 3a sind jedes Jahr vom steuerbaren Einkommen abziehbar, unabhängig von der Anlageform.
- Kursgewinne und Dividenden in der Säule 3a sind steuerfrei, solange sie nicht bezogen werden.
- Beim Bezug wird das gesamte Guthaben zu einem reduzierten Satz separat besteuert. Ist das Guthaben durch Aktien stark gewachsen, kann diese Steuer die gesamte Steuerersparnis der Einzahlungsjahre übersteigen.
- Trotzdem bleibt in aller Regel deutlich mehr übrig als bei einer 3a auf dem Bankkonto, weil die Wertsteigerung die höhere Steuer meist um ein Vielfaches übertrifft.
- Mehrere 3a-Konten mit gestaffeltem Bezug reduzieren die Steuerprogression zusätzlich.
Steuern sparen mit der Säule 3a
Der Hauptnutzen der Säule 3a ist das Steuern sparen. Jedes Jahr, in dem du den maximal möglichen Betrag einzahlst, kannst du diesen von deinem steuerbaren Einkommen abziehen. Dein Einkommen in der Steuererklärung sinkt, du zahlst also in jedem Einzahlungsjahr weniger Steuern.
Solange das Geld in der 3a liegt, zahlst du darauf ausserdem keine Vermögenssteuer, was ab einer gewissen Höhe durchaus etwas ausmacht.
Der Bundesrat hatte im Rahmen des Entlastungspakets 27 (EP27) eine höhere Besteuerung von Kapitalbezügen aus Pensionskasse und Säule 3a vorgeschlagen. Sowohl der Ständerat (Dezember 2025, 34 zu 10 Stimmen) als auch der Nationalrat (Frühlingssession 2026) haben diese Steuererhöhung klar abgelehnt und aus der Vorlage gestrichen. Die heutigen Steuervorteile beim Bezug bleiben damit vorerst unverändert bestehen. Da es sich um Politik handelt, kann sich das grundsätzlich wieder ändern, aktuell ist aber keine Verschärfung in Kraft oder in Vorbereitung.
Bankkonto oder Säule 3a in Aktien
Du kannst die Säule 3a auf einem klassischen Bankkonto führen. Dort frisst die Inflation das Geld über die Jahre auf, da die Zinsen kaum mithalten. Alternativ eröffnest du ein digitales Wertschriftendepot mit Aktien und ETFs, damit dein Geld über die Zeit wachsen kann, zum Beispiel bei:
- finpension, aktuell mein Testsieger im Säule 3a Ranking
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- Frankly
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Kursgewinne und Dividenden sind in der Säule 3a steuerfrei, solange du sie nicht beziehst. Vermische die Säule 3a aber nicht mit einer Lebensversicherung, das führt in der Regel zu schlechteren Konditionen als eine reine Vorsorgelösung.
Mehrere 3a-Konten für einen gestaffelten Bezug
Eröffne mehrere 3a-Depots, damit du beim Bezug nicht auf einen grossen Betrag auf einmal Steuern zahlen musst. Beziehe diese Töpfe über mehrere Jahre verteilt. Die Steuerprogression der 3. Säule fällt bei einem gestaffelten Bezug niedriger aus, als wenn der gesamte Betrag auf einmal ausbezahlt wird. Auch bei der Freizügigkeit lässt sich das Prinzip nutzen, mehr dazu in meinem Beitrag Pensionskasse splitten.
Säule 3a Bezug: Steuern bei der Pensionierung
Irgendwann kommt die Pensionierung und damit der Zeitpunkt der Auszahlung. Beim Bezug der Säule 3a musst du Steuern zahlen, getrennt vom übrigen Einkommen und zu einem reduzierten Satz. Wie hoch diese Steuer konkret ausfällt, hängt vom Kanton und vom bezogenen Betrag ab.
Rechenbeispiel: Wenn die Steuer die Ersparnis übersteigt
Rechenbeispiel basierend auf einer Masterarbeit von Scheidegger (2018), zitiert nach graffenried.ch. Die Originalarbeit lag mir nicht im Volltext vor, die Zahlen stammen aus der Sekundärquelle und sind nicht Franken-genau nachgerechnet.
Die 8,8% sind eine historische Durchschnittsrendite Schweizer Aktien von 1977 bis 2017, keine Prognose. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft, die tatsächliche Rendite der nächsten 40 Jahre kann deutlich tiefer, aber auch höher ausfallen. Das Beispiel gilt zudem nur für eine ledige, kinderlose Person im Kanton Bern mit CHF 100’000 Einkommen. Die Kapitalauszahlungssteuer unterscheidet sich von Kanton zu Kanton teils stark, bei Verheirateten, Personen mit Kindern oder in anderen Kantonen sehen die Zahlen anders aus. Bitte verstehe dieses Beispiel als Illustration eines Prinzips, nicht als Vorhersage für deine persönliche Situation.
Fiktives Beispiel: Marcel Müller, 65 Jahre alt, ledig, wohnhaft im Kanton Bern, steuerbares Einkommen von CHF 100’000, keine Kinder.
| Szenario | 3a auf dem Bankkonto | 3a in Schweizer Aktien (1977–2017) |
|---|---|---|
| Einzahlungsdauer | 40 Jahre | 40 Jahre |
| Jährliche Einzahlung (Ø) | CHF 6’768 | CHF 6’768 |
| Total Einzahlungen | CHF 270’720 | CHF 270’720 |
| Steuerersparnis total | CHF 88’020 | CHF 88’020 |
| Durchschnittliche Rendite | – | 8,8% |
| Kapital nach 40 Jahren | CHF 270’720 | CHF 2’358’417 |
| Steuer bei Auszahlung | gering | CHF 253’351 |
In diesem Beispiel übersteigt die Steuerbelastung beim Bezug (CHF 253’351) die gesamte Steuerersparnis der Einzahlungsjahre (CHF 88’020) deutlich. Rein auf die Steuerrechnung bezogen, führte die investierte Säule 3a hier also zu mehr Steuern.
Trotz der höheren Steuer bleibt am Ende deutlich mehr im Sack als bei der reinen Bankkonto-Variante: CHF 2’358’417 minus CHF 253’351 Steuern ergibt rund CHF 2’105’066 netto, gegenüber nur CHF 270’720 auf dem unverzinsten Bankkonto. Die satten Kursgewinne kompensieren die höhere Steuer um ein Vielfaches. Die “Steuerfalle” ist also eher ein Luxusproblem als ein echter Nachteil (keine Renditegarantie, historische Werte).
Wie du das für dich richtig einordnest
Natürlich sieht das nicht in jedem Kanton und bei jeder Ausgangslage gleich aus, viele Faktoren spielen eine Rolle: dein übriges Vermögen, ein möglicher Vorbezug der 3a, dein Wohnort und deine persönliche Situation. Für eine verbindliche Einschätzung deiner eigenen Zahlen lohnt sich eine Rücksprache mit einer unabhängigen Fachperson, die dir auch die Inflationsbereinigung mitrechnen kann.
Seit 2026 gibt es zudem die Möglichkeit, rückwirkend in die Säule 3a einzuzahlen, was die Rechnung nochmals verändert. Auch ein laufender Bezug für Wohneigentum oder Renovationen ist ein Faktor, den du einplanen solltest.
Mir persönlich war es immer wohler, mein Geld zusätzlich frei zu investieren, unter anderem weil das Geld in der Säule 3a gebunden ist und man nie weiss, was im Leben passiert. Das ist mein persönliches Vorgehen und keine Anlageempfehlung. Auch eine Dividendenstrategie ausserhalb der 3a kann übrigens Steuern auslösen, sowohl über das laufende Einkommen als auch über die Vermögenssteuer auf das gesamte Depot.
Dieser Beitrag ist keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung und ersetzt keine Beratung durch eine Treuhänderin, einen Steuerexperten oder die zuständige kantonale Steuerbehörde. Alle Angaben zu Steuersätzen, Gesetzen und dem Stand politischer Vorlagen wurden nach bestem Wissen recherchiert, sie können sich jederzeit ändern und ohne Gewähr auf Richtigkeit oder Vollständigkeit. Das Rechenbeispiel basiert auf einer historischen Rendite und einer Sekundärquelle, es ist keine Garantie oder Prognose für zukünftige Wertentwicklungen oder Steuerbeträge. Für eine verbindliche Berechnung deiner persönlichen Steuerfolgen wende dich an eine unabhängige Fachperson oder nutze die offiziellen Steuerrechner deines Kantons.
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Hi Helga
Kurze Nachfrage, wie sieht das denn beim freien Investieren mit einer Dividendenstrategie aus. Zählen die Aktien da nicht Steuertechnisch zum Vermögen und die Dividenden zu Kapitalerträgen die zusätzlich zum Einkommen versteuert werden müssen? Somit hätte ich zwar nicht wie oben beschrieben die einmalige Steuer beim Auszahlen wie bei der 3a Lösung, dafür aber jährliche Kosten.
Das ist richtig so. Dividenden werden dem steuerbaren Einkommen angerechnet. Aber bei der Jobverhandlung verhandeln wir ja auch nicht strategisch für weniger Lohn, damit wir weniger Steuern bezahlen müssen.
Es gilt abzuwägen, was für die eigene Situation passend ist.
Dieser Blogpost soll einfach nochmal dran erinnern, dass eine Säule 3a nicht steuerfrei ist.
Einerseits würde man während den Erwerbsjahren die Steuern sparen – diese könnten dann in die freie Vorsorge investiert werden, was wiederum den Vermögensaufbau pusht.
Andererseits muss man beim Bezug einfach genügend Cash-Puffer haben, um die anfallenden Steuern zu bezahlen. Und bei grossen Kursgewinnen vergrössert sich dieser Gesamtbetrag.
Daran wollte ich erinnern.