Mieten oder Kaufen in der Schweiz: rechne dein Szenario durch

Mieten oder Kaufen Schweiz

Mieten oder Kaufen Schweiz: Was bringt finanziell mehr?

Mieten oder Kaufen Schweiz: Haus auf dem Kopf als Symbol für die Finanzfrage

Kaum eine Geldfrage wird so hitzig diskutiert wie Mieten oder Kaufen. Die einen sagen “Miete ist rausgeworfenes Geld”, die anderen “ein Haus bindet zu viel Geld an einem einzigen Ort”. Ich rechne beide Wege ehrlich durch, auch die Variante, die oft vergessen geht, mieten und die Differenz konsequent investieren.

Antwort in Kürze

Rein finanziell liegen Kaufen und Mieten-plus-Investieren in der Schweiz oft näher beieinander, als beide Lager behaupten. Kaufen gewinnt meist bei sehr langer Haltedauer, tiefen Zinsen und steigenden Immobilienpreisen. Mieten plus ETF-Sparplan gewinnt bei Flexibilität, tieferen Nebenkosten und konsequentem Investieren der Differenz. Nach dem Kauf sinken die baren Wohnkosten meist unter die alte Miete, das freie Geld kannst du zusätzlich investieren. Entscheidend ist weniger die Rechnung als deine Disziplin und dein Lebensplan.

Kurz zusammengefasst

  • Der Denkfehler beider Lager: Miete ist nicht rausgeworfen (du kaufst Wohnen), und Wohneigentum ist nicht gratis (Zins, Unterhalt und gebundenes Kapital kosten laufend).
  • Die faire Rechnung vergleicht Vollkosten des Eigenheims mit Miete plus investierter Differenz.
  • Nach dem Hauskauf bleibt mehr zum Investieren, weil die teure Miete wegfällt und die baren Wohnkosten bei tiefen Zinsen darunter liegen.
  • In der Schweiz besonders: 20% Eigenkapital nötig, strenge Tragbarkeitsregeln, sehr hohe Preise, dafür historisch tiefe Hypozinsen.
  • Keine Anlage- oder Hypothekarberatung, sondern eine ehrliche Einordnung.

Zuletzt aktualisiert am 6. August 2026

Die Grundlage

Mieten oder Kaufen: Der Denkfehler in beiden Lagern

“Miete ist rausgeworfenes Geld” klingt logisch, stimmt aber nicht. Mit der Miete kaufst du eine Leistung, ein Dach über dem Kopf. Kein Unterhaltsrisiko, kein gebundenes Kapital, nur eine Kündigungsfrist statt eines Verkaufsprozesses. Genauso schief ist die Gegenseite, Wohneigentum ist nicht “gratis wohnen, sobald die Hypothek läuft”. Eigentümerinnen zahlen Zins, Unterhalt, Nebenkosten und Versicherungen. Und sie verzichten auf das Geld, das ihr Erspartes im Depot verdienen würde. Das nennt man Opportunitätskosten. Diese Kosten sind versteckt, aber real.

📖 Drei Begriffe, ganz einfach erklärt:
  • Opportunitätskosten = was dein Geld woanders verdient hätte. Stecken CHF 200’000 im Haus, können sie nicht gleichzeitig im ETF-Depot arbeiten. Diese verpasste Rendite kostet dich echtes Geld, auch wenn nie eine Rechnung dafür kommt.
  • Tragbarkeit = der Sicherheitscheck der Bank. Sie rechnet nicht mit dem heutigen Zins, sondern mit rund 5%, und will sehen, dass die Wohnkosten dann höchstens etwa einen Drittel deines Einkommens ausmachen. So wird geprüft, ob du dir das Haus auch in schlechten Zeiten leisten kannst.
  • Amortisation = das Abzahlen der Hypothek. Den Teil über 65% des Kaufpreises musst du innert 15 Jahren zurückzahlen, das ist wie ein fixer Sparvertrag in dein eigenes Haus.

Die faire Frage ist also nicht “Miete oder keine Miete”, sondern was passiert mit dem ganzen Geld in beiden Szenarien? Das rechnen wir jetzt durch.

Das Rechenbeispiel

Die Beispielrechnung: Mieten oder Kaufen am Beispiel Eigentumswohnung

Nehmen wir das klassische Familien-Szenario. Zur Wahl stehen ein Einfamilienhaus auf dem Land für CHF 1’000’000 oder eine gemietete 4.5-Zimmer-Wohnung in der Stadt für CHF 3’000 pro Monat, so sieht der Markt für viele Familien aus. Fürs Kaufen brauchst du 20% Eigenkapital, also CHF 200’000, und eine Hypothek über CHF 800’000. Die Zahlen sind gerundete Beispielwerte.

Jährliche Kosten🏠 Kaufen🔑 Mieten + investieren
Hypothekarzins (Beispiel 1.5%, aktuelle 10-jährige Festhypotheken: rund 1.5 bis 2%)CHF 12’000
Unterhalt und Rückstellungen (Faustregel 1% vom Wert)CHF 10’000
Nebenkosten, Versicherungen, GebührenCHF 3’000in Miete enthalten
Opportunitätskosten aufs Eigenkapital (200’000 zu 5%)CHF 10’000
Miete 4.5-Zimmer-Wohnung in der Stadt (CHF 3’000 pro Monat)CHF 36’000
Total pro JahrCHF 35’000CHF 36’000

Vereinfachtes Beispiel mit gerundeten Annahmen, Stand August 2026, ohne Steuern und Amortisation. Deine Zahlen können deutlich abweichen, je nach Region, Zins und Objekt.

In diesem Beispiel gewinnt das Haus, sogar mit eingerechneten Opportunitätskosten und Rückstellungen. Die Familie auf dem Land wohnt pro Jahr rund CHF 1’000 günstiger als die Mieterfamilie in der Stadt, hat mehr Platz und baut nebenbei Eigentum auf. Wer den Vergleich umdreht, in der Stadt kaufen oder auf dem Land mieten, rechnet anders. Aber, und das ist der wichtige Teil. Die Rechnung kippt, sobald sich die Annahmen ändern. Steigt der Immobilienwert langfristig, gehört diese Wertsteigerung ganz der Eigentümerin, obwohl sie nur einen Fünftel selbst bezahlt hat, den Rest hat die Bank geliehen. Steigen dagegen die Zinsen von 1.5 auf 3%, verdoppeln sich die Zinskosten und die Mieterin liegt vorne, wenn sie die Differenz wirklich investiert.

Der ehrliche Kern: Kaufen heisst, mit viel geliehenem Geld auf Schweizer Immobilien zu setzen, und mit der Hypothek sparst du nebenbei automatisch mit. Mieten und investieren heisst, auf die Firmen der Welt zu setzen, und das Sparen musst du dir selbst organisieren. Beides hat in der Vergangenheit gut funktioniert, garantiert ist keines, und die Selbstdisziplin ist beim zweiten Weg der Knackpunkt. Wie das konsequente Investieren automatisch klappt, zeigt mein Money System.
Länderspezifisch

Was in der Schweiz beim Mieten oder Kaufen speziell ist

  • Die Hürde ist hoch: 20% Eigenkapital (davon mindestens 10% “echtes” Geld, nicht aus der Pensionskasse) und die Tragbarkeitsregel, die Bank rechnet mit einem kalkulatorischen Zins von rund 5%, und die Wohnkosten dürfen höchstens etwa einen Drittel des Einkommens ausmachen. Bei einer Million Kaufpreis brauchst du damit grob CHF 150’000 bis 180’000 Haushaltseinkommen.
  • Pensionskassen-Vorbezug ist möglich, aber muss gut durchgerechnet werden: Wer PK-Geld für den Kauf bezieht, reisst ein Loch in die Altersvorsorge. Was dein PK-Geld sonst kann, liest du bei Freizügigkeit und Pensionskasse splitten. Warum sich der Vorbezug wegen der tiefen Umwandlungssätze trotzdem lohnen kann, rechne ich weiter unten durch.
  • Steuern ändern sich bald: 2025 hat das Stimmvolk die Abschaffung des Eigenmietwerts angenommen, der Bundesrat hat den Systemwechsel auf den 1. Januar 2029 festgelegt. Ab dann fällt für Eigentümer der Eigenmietwert als steuerbares Einkommen weg, im Gegenzug auch die meisten Abzüge für Schuldzinsen und Unterhalt. Bis Ende 2028 gelten die heutigen Regeln unverändert weiter.
  • Amortisation: Die zweite Hypothek (über 65% Belehnung) muss innert 15 Jahren amortisiert werden. Das ist eine feste Sparverpflichtung, gut für die Disziplin, schlecht für die Flexibilität.
  • Säule 3a hilft beim Eigenkapital: 3a-Guthaben darf für selbstbewohntes Eigentum bezogen werden. Wie du es bis dahin am besten anlegst, zeigt Säule 3a wechseln.
Der Bank-Check

Tragbarkeit berechnen, kannst du dir das Haus leisten?

Bevor du überhaupt zwischen Mieten und Kaufen wählen kannst, muss die Bank Ja sagen. Sie rechnet dabei bewusst streng, mit einem kalkulatorischen Zins von rund 5% statt der aktuellen Zinsen, plus Amortisation der zweiten Hypothek, plus 1% Unterhalt. Diese kalkulierten Wohnkosten dürfen höchstens etwa einen Drittel deines Bruttoeinkommens ausmachen. Teste es hier mit deinen Zahlen.

🏦 Tragbarkeits-Rechner

So rechnet die Bank, vereinfacht nach den üblichen Regeln.

Eigenkapital-Check (min. 20%)
Kalkulierte Wohnkosten
Tragbarkeit

Vereinfachtes Modell mit 5% kalkulatorischem Zins, Amortisation der 2. Hypothek über 15 Jahre und 1% Unterhalt. Jede Bank rechnet im Detail anders, massgebend ist ihre individuelle Prüfung. Keine Finanzierungsberatung.

Zwei Dinge fallen beim Spielen mit dem Rechner sofort auf. Erstens ist die Tragbarkeit oft die härtere Hürde als das Eigenkapital, weil die Bank mit 5% statt mit den aktuellen 1.5 bis 2% rechnet. Und zweitens wirkt jeder zusätzliche Eigenkapital-Franken doppelt, er senkt die Hypothek und damit Zins und Amortisation gleichzeitig. Darum lohnt sich die Fokus-Sparphase aus meinem Drei-Phasen-Weg so sehr.

Die Vorsorge-Frage

Pensionskasse für den Hauskauf: Der tiefe Umwandlungssatz verändert die Rechnung

Der Standard-Rat lautet seit Jahren "Finger weg vom Pensionskassengeld". Er hat einen wahren Kern, stammt aber aus einer Zeit, in der die Kasse aus jedem Franken deutlich mehr Rente machte. Genau das hat sich geändert. Darum verdient der Vorbezug für Wohneigentum, der sogenannte WEF-Vorbezug, einen zweiten und ehrlichen Blick.

Kurz erklärt, der Umwandlungssatz. Er bestimmt, wie viel jährliche Rente du pro Franken Alterskapital bekommst. Im gesetzlichen Obligatorium sind es 6.8%. Die meisten Kassen versichern aber mehr als das Obligatorium und dürfen dann auf dem gesamten Kapital tiefer rechnen, solange unter dem Strich mindestens die gesetzliche Minimalrente resultiert. Im Schnitt liegt der Satz heute noch bei rund 5.2%, für Pensionierungen in fünf Jahren bei etwa 5.17%. Aus CHF 100'000 Kapital werden so rund CHF 5'200 Rente pro Jahr statt CHF 6'800 wie im Obligatorium. Anders gesagt, du musst rund 19 Jahre Rente beziehen, also bis etwa 84, bis dein eigenes Kapital einmal an dich zurückgeflossen ist.

CHF 100'000 aus der 2. Säule🏦 In der Kasse lassen🏠 Für den Hauskauf vorbeziehen
Was du jährlich davon hastca. CHF 5'200 Rente (Umwandlungssatz 5.2%)ca. CHF 1'500 bis 2'000 gesparter Hypothekarzins
Was mit dem Kapital passiertwird über die Rentenjahre aufgebrauchtbleibt als dein Anteil am Haus bestehen
SteuernRente voll als Einkommen steuerbareinmalige Kapitalauszahlungssteuer zum reduzierten Vorsorgetarif
Vererbbarin der Regel nein, das Kapital geht ans Versichertenkollektiv, je nach Reglement fliessen Hinterlassenenrentenja, als Teil der Immobilie
Der grosse Pluspunktlebenslange Rente, auch wenn du 95 wirsttiefere Hypothek, bessere Tragbarkeit, oft wird der Kauf erst so möglich

Vereinfachtes Beispiel. Umwandlungssatz-Durchschnitt gemäss Swisscanto-Pensionskassenstudie 2026 (5.26% für 2025, sinkend), Hypothekarzins 1.5 bis 2%, Stand August 2026.

Was bringt nun mehr? Auf den ersten Blick die Rente, CHF 5'200 sind mehr als CHF 2'000. Aber die Rente bezahlt dich aus deinem eigenen Kapital, und am Ende ist es weg. Der vorbezogene Franken spart ab dem ersten Tag Zins, senkt die Hypothek, hilft bei der Tragbarkeit und bleibt als Eigentum bestehen, inklusive einer allfälligen Wertsteigerung des Hauses. Je tiefer der Umwandlungssatz, desto weniger Rente kauft dir jeder Franken in der Kasse, und desto stärker wird das Argument, diesen Franken stattdessen in den eigenen vier Wänden arbeiten zu lassen. Dass 2025 erstmals mehr Guthaben als Kapital statt als Rente bezogen wurde, zeigt, viele Versicherte rechnen längst genauso.

Wann sich der Vorbezug eher lohnt. Wenn ohne PK-Geld gar kein Kauf möglich wäre, weil Eigenkapital oder Tragbarkeit knapp sind. Wenn deine Kasse einen tiefen umhüllenden Umwandlungssatz hat. Und wenn der Kauf lange vor der Pension liegt, damit Zeit bleibt, das Loch wieder zu stopfen. Wann eher nicht. Kurz vor der Pensionierung, wenn die Tragbarkeit im Alter ohnehin knapp wird, oder wenn deine Kasse überdurchschnittlich verzinst und einen hohen Satz bietet. 2025 haben die Kassen im Schnitt rekordhohe 4.3% gutgeschrieben, garantiert ist davon für die Zukunft allerdings nichts. Was dein PK-Geld sonst noch kann, liest du bei Pensionskasse splitten.

Bevor du PK-Geld anfasst, fünf Regeln:
  • Die 10%-Regel gilt immer. Mindestens 10% des Kaufpreises müssen aus echtem Sparvermögen kommen, PK-Geld zählt dort nicht.
  • Die Spielregeln des Bezugs. Mindestens CHF 20'000 pro Bezug, alle fünf Jahre möglich, längstens bis drei Jahre vor der Pensionierung, ab 50 nur noch begrenzt.
  • Die Steuer kommt sofort. Beim Bezug wird die Kapitalauszahlungssteuer fällig. Zahlst du den Vorbezug später zurück, bekommst du sie auf Antrag zurück.
  • Risikoleistungen prüfen. Je nach Kasse sinken mit dem Bezug auch die Leistungen bei Tod und Invalidität. Reglement lesen und die Lücke allenfalls mit einer Risikoversicherung decken.
  • Einkäufe sind blockiert. Steuerlich begünstigte PK-Einkäufe sind erst wieder möglich, wenn der Vorbezug vollständig zurückbezahlt ist.
Der Mittelweg, die Verpfändung. Statt zu beziehen, kannst du dein PK-Guthaben auch nur verpfänden. Das Kapital bleibt in der Kasse, Rente und Risikoleistungen bleiben voll erhalten, und es wird keine Steuer fällig. Dafür bleibt die Hypothek höher und die Tragbarkeit muss trotzdem stimmen. Für viele ist das der sanftere Einstieg, und der Vorbezug lässt sich später immer noch prüfen.
Der Langfrist-Blick

Mieten oder Kaufen im Alter: Argumente fürs Wohneigentum

Die Jahresrechnung oben lässt einen Punkt weg, den man bei vielen älteren Eigentümerinnen und Eigentümern sieht. Ein Eigenheim zeigt seine Vorteile oft erst nach vielen Jahren. Diese Punkte gehören mit in die Entscheidung.

  • Dir kann niemand kündigen. Als Eigentümerin trifft dich keine Eigenbedarfs- oder Sanierungskündigung, und du musst mit 75 nicht in einem angespannten Mietmarkt eine neue Wohnung suchen. Diese Wohnsicherheit hat einen Wert, der in keiner Kostenrechnung auftaucht.
  • Wohnen für viel weniger als die Marktmiete. Wer sein Haus vor 30 Jahren gekauft und einen grossen Teil der Hypothek abbezahlt hat, zahlt heute oft nur noch Zins auf den Rest plus Unterhalt. Die Marktmieten rundherum sind in dieser Zeit gestiegen. Das erleben viele Boomer gerade, sie wohnen viel günstiger, als ihre Wohnung heute kosten würde.
  • Betongold als Inflationsschutz. Eine Immobilie ist ein Sachwert. Steigen Preise und Mieten, steigt meist auch ihr Wert, während deine Wohnkosten mit einer Festhypothek planbar bleiben. Mieterinnen tragen das Risiko steigender Mieten, Eigentümerinnen das Zinsrisiko, dafür steht bei ihnen das Haus als fester Wert dahinter.
  • Vererben und verwurzeln. Ein Haus ist auch Heimat, Garten, Nachbarschaft und später ein Erbe. Das ist kein Renditeargument, aber ein Lebensargument, das viele Eigentümerinnen und Eigentümer wichtig finden.

Die ehrliche Gegenrechnung dazu. Auch das schöne Bild vom Wohnen im Alter hat Bedingungen. Die Bank prüft die Tragbarkeit bei der Pensionierung neu, mit dem tieferen Renteneinkommen. Darum müssen viele die Hypothek rechtzeitig vor der Pension verkleinern. Der Unterhalt macht keine Alterspause, das 40-jährige Dach kommt garantiert. Und das Vermögen steckt fest in der Immobilie. Ein Haus lässt sich nicht scheibchenweise verkaufen, wenn im Alter Geld fehlt. Das Gegenstück auf der Mieterseite ist ein über Jahrzehnte gefülltes Depot, dessen Ausschüttungen im Alter die Miete zahlen. Das funktioniert auch, nur der Kündigungsschutz lässt sich damit nicht kaufen.

Fürs Alter heisst das: Plane in beiden Szenarien voraus. Als Käuferin zahlst du die Hypothek bis zur Pensionierung auf ein tragbares Mass ab und sparst einen Renovationsfonds an. Als Mieterin baust du das Depot konsequent als deine "private Wohnrente" auf und hältst die Wohnsituation flexibel. Unvorbereitet ist keiner der beiden Wege altersfest.

Der Vererbungs-Gedanke, wenn aus dem Eigenheim ein Millionen-Erbe wird

Ein Aspekt verdient einen eigenen Gedanken, weil er jetzt Realität wird. Viele Häuser, die vor 30 oder 40 Jahren für ein paar hunderttausend Franken gekauft wurden, sind heute über eine Million wert, und diese Werte gehen in den kommenden Jahren an die nächste Generation über. In den nächsten Jahren wird in der Schweiz viel Vermögen vererbt, ein grosser Teil davon in Form von Immobilien. Nachkommen können so unter Umständen ein Haus erben, das mehr wert ist, als sie selbst je hätten ansparen können.

Dazu kommt ein steuerlicher Punkt, der überrascht. In den meisten Kantonen sind direkte Nachkommen von der Erbschaftssteuer befreit oder zahlen sehr wenig, das geerbte Haus kommt also weitgehend ungeschmälert an. Für die Kinder kann das den kompletten Vermögensaufbau abkürzen, sei es als Zuhause ohne Kaufhürde, als vermietete Renditeliegenschaft oder als Verkaufserlös, der ein Depot füllt. Wer ein Eigenheim kauft, trifft damit oft unbewusst auch eine Entscheidung für die übernächste Generation.

Aber auch hier gehört Ehrlichkeit dazu. Ein Haus vererbt sich schwieriger als ein Depot. Sind mehrere Kinder da, muss meist eines die anderen auszahlen, und das braucht wiederum Hypothek und Tragbarkeit, oder das Elternhaus wird verkauft, was emotional oft die härteste Variante ist. Ein ETF-Depot lässt sich dagegen auf den Franken genau teilen. Und planbar ist ein Erbe nie, wer im Pflegeheim viele Jahre Kosten trägt, hinterlässt unter Umständen weniger als gedacht. Das Erbe darf ein schöner möglicher Nebeneffekt des Eigenheims sein, aber niemals der Plan, auf den die eigene Vorsorge baut.
Der Realitäts-Check

Mieten oder Kaufen in der Rente? So könnte es konkret aussehen

Machen wir den Sprung nach vorne. Nehmen wir eine Person mit einer AHV-Rente von rund CHF 1'900 (die Maximalrente liegt bei etwa CHF 2'500, die meisten erhalten weniger) und einer Pensionskassen-Rente von CHF 2'000, zusammen also CHF 3'900 pro Monat. So sähe der Alltag in beiden Welten aus, wieder mit gerundeten Beispielwerten.

In der Rente, pro Monat🏠 Eigentümerin🔑 Mieterin mit Depot
AHV + PensionskasseCHF 3'900CHF 3'900
Wohnkostenca. CHF 1'200 (Zins auf Resthypothek + Unterhalt)ca. CHF 2'400 Miete
Einkommen aus dem Depot+ CHF 500 (kleineres Depot)+ CHF 2'000 (grosses Depot, z.B. Dividenden)
Frei verfügbarca. CHF 3'200ca. CHF 3'500

Vereinfachtes Beispiel, gerundet, ohne Steuern. AHV- und PK-Renten sind individuell sehr unterschiedlich, deine AHV schätzt du mit meinem Beitrag AHV-Rente berechnen.

Die Pointe dieses Vergleichs. Beide Wege können in der Rente gut funktionieren, aber sie ruhen auf verschiedenen Pfeilern. Die Eigentümerin lebt von tiefen Wohnkosten, dafür reicht ihr ein kleineres Depot. Die Mieterin lebt von ihrem grossen Depot, dessen Ausschüttungen die Miete decken müssen, wie das geht, zeigt mein Beitrag Dividenden-ETF für die Rente. Riskant wird es nur in der Mitte, also mit hoher Miete und ohne Depot, dann bleiben von CHF 3'900 nach der Miete noch CHF 1'500 zum Leben, und in dieser Lage stecken heute viele Rentnerinnen.

Drei Dinge, die du für die Renten-Planung wissen musst:
  • Die Bank rechnet bei der Pensionierung neu. Die Tragbarkeit muss auch mit dem tieferen Renteneinkommen stimmen, sonst verlangt die Bank eine Rückzahlung. Darum die Hypothek rechtzeitig vor der Pension auf ein bequemes Mass bringen.
  • Der Unterhalt bleibt. Auch im abbezahlten Haus kommen Dach, Heizung und Bad irgendwann, ein Renovationsfonds gehört fest ins Budget der Eigentümerin.
  • Das Depot der Mieterin braucht Jahrzehnte Vorlauf. Ein Depot, dessen Erträge eine Miete tragen, entsteht nicht mit 60, sondern mit 30 oder 40. Wer den Mieter-Weg wählt, wählt damit auch die Pflicht, früh und konsequent zu investieren.

Die Downsizing-Strategie, mit 60 oder 70 verkaufen und umschichten

Es gibt einen dritten Weg, der das Beste aus beiden Welten holt und den viele übersehen. Das Haus muss nicht für immer behalten werden. Wer mit 60 oder 70 verkauft, wenn die Kinder ausgezogen sind und Garten und Treppen mehr Arbeit als Freude machen, kann sich mit einem Teil des Erlöses eine praktische, altersgerechte Eigentumswohnung kaufen und den Rest in Dividendenaktien anlegen.

Ein Beispiel mit runden Zahlen. Das Haus wird für CHF 1'400'000 verkauft, die Resthypothek von CHF 300'000 zurückbezahlt, es bleiben CHF 1'100'000. Davon kostet die zentrale 3.5-Zimmer-Wohnung CHF 700'000, bar bezahlt und ohne Hypothek. Die restlichen CHF 400'000 fliessen in Dividendenaktien und liefern bei rund 3% Ausschüttung etwa CHF 1'000 pro Monat dazu. Damit bleiben praktisch keine Wohnkosten mehr, keine Bank prüft die Tragbarkeit, und obendrauf gibt es ein Depot-Einkommen. So baue ich mir das Aktionärsleben auf, das ich in meiner Dividendenstrategie und bei den besten Dividenden-ETFs beschreibe.

Was du dabei beachten musst. Beim Hausverkauf fällt die kantonale Grundstückgewinnsteuer an, sie wird bei langer Haltedauer meist deutlich milder und kann beim Kauf einer selbstbewohnten Ersatzliegenschaft teilweise aufgeschoben werden, das rechnet dir die Steuerverwaltung deines Kantons konkret aus. Kursgewinne auf den Dividendenaktien bleiben dafür im Privatvermögen steuerfrei, nur die Dividenden sind als Einkommen steuerbar. Und der weiche Faktor gehört ehrlich dazu, das Elternhaus zu verkaufen ist ein emotionaler Schritt, der Zeit braucht und am besten geplant wird, solange man ihn selbstbestimmt gehen kann.
Persönlich

Meine Meinung zu Mieten oder Kaufen: Warum ich fürs Kaufen bin

Nach all der neutralen Rechnerei lege ich meine Karten auf den Tisch. Ich persönlich bin fürs Kaufen. Der Grund geht in der Vollkosten-Rechnung oben fast unter. Sie enthält zwei Posten, die gar nicht monatlich vom Konto gehen. Die Opportunitätskosten sind nur eine Rechengrösse. Und ein Teil des Unterhalts sind Rückstellungen für später. Schaut man nur auf den monatlichen Cashflow, dreht das Bild.

Monatlicher Cashflow🔑 Mieten🏠 Kaufen
MieteCHF 3'000
Hypothekarzins (Beispiel 1.5% auf 800'000)CHF 1'000
Nebenkosten und VersicherungeninbegriffenCHF 250
Laufender Unterhalt (bar)CHF 400
Amortisation 2. Hypothek (erste 15 Jahre)CHF 835, ist aber Sparen in dein Haus
Wohnkosten bar pro MonatCHF 3'000CHF 1'650
Frei für den ETF-Sparplan+ CHF 1'350, in den ersten 15 Jahren fliessen CHF 835 davon in die Amortisation, es bleiben CHF 515 fürs Depot, danach die vollen CHF 1'350

Gleiches Beispielobjekt wie oben, gerundete Beispielwerte, Stand August 2026, ohne Amortisation und Steuern.

Das ist mein Kernargument. Bei den aktuell tiefen Hypothekarzinsen wohnt die Käuferin monatlich günstiger als die Mieterin. Diese Differenz kann sie zusätzlich in den ETF-Sparplan stecken. Genau gerechnet, fliessen in den ersten 15 Jahren noch CHF 835 Amortisation dazu, trotzdem bleiben CHF 515 pro Monat für den Sparplan übrig. Die Amortisation ist dabei kein verlorenes Geld, sondern Sparen in dein eigenes Haus, und nach 15 Jahren fällt sie weg, dann gehen die vollen CHF 1'350 ins Depot. Verloren ist bei der Käuferin nur der Zins, bei der Mieterin die ganze Miete. Eine Miete von über CHF 2'000 zu zahlen und daneben noch kräftig zu investieren, finde ich dagegen den schwierigeren Weg, da braucht es ein sehr gutes Einkommen oder viel Disziplin. Das Eigenheim schafft Ordnung. Erst die tiefe Wohnkostenbasis schaffen, dann mit dem freien Betrag den Sparplan füttern. Haus und Depot sind für mich kein Entweder-Oder, sondern eine Reihenfolge.

Mein empfohlener Weg in drei Phasen

① Die Fokus-Sparphase: gezielt aufs Eigenkapital sparen

Ein klares Ziel (20% des Kaufpreises plus Nebenkosten), eine hohe Sparquote und die Säule 3a als Ergänzung, denn 3a-Guthaben darf für selbstbewohntes Eigentum bezogen werden und bringt unterwegs den Steuerabzug. In dieser Phase ist Sparen kein Verzicht, sondern ein Projekt mit Zieldatum.

② Der Kauf: die tiefe Wohnkostenbasis schaffen

Mit dem Eigenkapital kaufst du dir die tiefen monatlichen Wohnkosten, im Beispiel oben CHF 1'650 statt CHF 3'000. Eine lange Festhypothek macht diese Basis für Jahre planbar. Ab jetzt geht deutlich weniger Geld fürs Wohnen weg, Monat für Monat.

③ Die Investier-Phase: jetzt fällt es leicht

Das Geld, das nicht mehr für die Miete draufgeht, fliesst per Dauerauftrag in den ETF-Sparplan. Investieren fühlt sich so nicht mehr wie eine zusätzliche Belastung neben einer hohen Miete an, sondern wie das natürliche Weiterlaufen der Spargewohnheit aus Phase 1. Im Cashflow-Beispiel oben werden aus der weggefallenen Miete CHF 1'350 pro Monat frei, bei 5% Rendite wächst allein dieser Betrag über 20 Jahre auf rund CHF 550'000 an.

Zwei ehrliche Fussnoten zu diesem Weg: Erstens gehört Eigenkapital, das du in den nächsten wenigen Jahren für den Kauf brauchst, nicht in Aktien, dafür ist der Horizont zu kurz und das Schwankungsrisiko zu gross. Sichere Töpfe wie Sparkonto und Säule 3a sind dann die richtige Adresse. Zweitens pausiert das freie Depot in Phase 1 weitgehend, das sind echte Opportunitätskosten. Ich finde sie verkraftbar, weil die Phasen 2 und 3 sie mit tiefen Wohnkosten und hoher Sparkraft zurückholen, aber du sollst wissen, dass sie existieren.
Damit die Rechnung hält, drei ehrliche Bedingungen:
  • Rückstellungen trotzdem machen. Das 40-jährige Dach kommt. Wer die Unterhalts-Rückstellungen "vergisst", wohnt nur scheinbar günstig.
  • Zinsanstieg einplanen. Bei 3% statt 1.5% verdoppelt sich der Zinsposten, dann schmilzt der Sparplan-Vorteil. Eine lange Festhypothek macht die Rechnung planbar.
  • Die Differenz wirklich investieren. Wer den Wohnkosten-Vorteil verkonsumiert, hat am Ende ein Haus, aber kein Depot, besser als nichts, aber nicht der Plan.
Fairerweise: Die Vollkosten-Rechnung weiter oben bleibt richtig, sie beantwortet die Vermögensfrage über Jahrzehnte, meine Cashflow-Sicht beantwortet die Alltagsfrage "wie viel bleibt mir jeden Monat zum Investieren". Beide Brillen gehören zur ehrlichen Antwort. Und wer die 20% Eigenkapital (noch) nicht hat, für den ist Mieten plus Sparplan kein Trostpreis, sondern genau der Weg, um sie aufzubauen, zum Beispiel mit 200 CHF monatlich als Start.
Zahlen & Rechner

Hauspreise vs. ETF-Sparplan: Der direkte Vermögensvergleich

Wie haben sich die beiden Vermögensmotoren historisch entwickelt? Als grobe Orientierung, ohne Garantie für die Zukunft.

VermögensmotorHistorische GrössenordnungDer entscheidende Effekt
🏠 Schweizer Wohneigentumca. 2 bis 4% pro JahrDer Hebel: Du zahlst nur 20% selbst, aber der Wertzuwachs auf dem ganzen Haus gehört dir. Dein eingesetztes Geld arbeitet dadurch rund fünffach.
📈 Welt-Aktien (ETF)ca. 6 bis 8% pro JahrDer Zinseszins: höhere Rendite, ungehebelt, dafür jederzeit liquid und breit gestreut.

Grobe historische Grössenordnungen über lange Zeiträume, regional und je nach Periode stark unterschiedlich. Keine Prognose, keine Anlageberatung.

🏠 Weg 1: Kaufen + ETF Hypothek der Bank, CHF 800'000 geliehen, dafür zahlst du Zins, wird mit den Jahren kleiner Dein Anteil, CHF 200'000 wächst mit Amortisation + Wertzuwachs Depot, klein aber wachsend gefüttert vom Wohnkosten-Vorteil 🔑 Weg 2: Mieten + ETF Depot, Start mit CHF 200'000 das Eigenkapital arbeitet ab Tag 1 an der Börse, plus Sparrate jeden Monat obendrauf Miete, laufende Ausgabe ohne Besitz-Aufbau Beispiel mit CHF 1'000'000 Kaufpreis, wie in der Rechnung oben. Beide Wege bauen Vermögen auf, nur mit verschiedenen Bausteinen.

Darum ist die Frage so spannend. Der ETF rendiert höher, das Haus hebelt stärker. Wer am Ende vorne liegt, hängt von deinen Annahmen ab, und die stellst du hier selbst ein. Der Rechner vergleicht fair, beide Szenarien haben jeden Monat gleich viel Geld zur Verfügung. Die Mieterin investiert ihre Sparrate plus das Eigenkapital, das sie nicht ins Haus stecken muss. Die Hausbesitzerin investiert ihre Sparrate plus den Wohnkosten-Vorteil, dafür steckt ihr Eigenkapital im Haus.

🧮 Mieten + ETF vs. Kaufen + ETF: Rechne dein Szenario

Gleiches Monatsbudget in beiden Welten, verschiebe die Regler und sieh, wer nach deinen Annahmen vorne liegt.

🔑 Mieten + ETF
🏠 Kaufen + ETF

Vereinfachtes Modell: 20% Eigenkapital, gleiches Monatsbudget in beiden Szenarien, Nebenkosten und barer Unterhalt pauschal, ohne Amortisation, Steuern, Kauf- und Verkaufskosten. Modellrechnung, keine Prognose und keine Anlage- oder Hypothekarberatung.

Der Vermögens-Blick

Warum Reiche fast immer Immobilien besitzen

Ein Blick auf grosse Vermögen zeigt ein klares Muster, Immobilien gehören fast immer dazu. In der Schweiz sind Immobilien der grösste Vermögensteil der Haushalte. Und je höher Einkommen und Vermögen, desto häufiger besitzen Menschen ein Eigenheim. Das ist kein Zufall, dahinter stecken handfeste Gründe.

  • Der Hebel arbeitet für sie. Immobilien sind die einzige Geldanlage, für die dir die Bank bereitwillig grosse Summen günstig leiht. Du setzt nur 20% ein, der ganze Wertzuwachs gehört trotzdem dir. Für ein ETF-Depot leiht dir niemand so viel Geld, und das ist auch gut so.
  • Diversifikation, nicht alles auf eine Karte. Vermögende verteilen ihr Geld über Aktien, Immobilien und Cash. Immobilien bewegen sich anders als die Börse. Ein Börsen-Einbruch trifft das Haus nicht, und umgekehrt. Das macht das ganze Vermögen ruhiger.
  • Sachwert mit Ertrag. Vermietete Häuser bringen jeden Monat Mieteinnahmen, ein zweites Einkommen, das mit der Teuerung mitwächst. So wird aus der Immobilie mehr als ein Wertspeicher.
  • Stabilität und neues Kapital. Wer Immobilien besitzt, kann sie später bei der Bank hinterlegen und sich frisches Geld für weitere Investitionen leihen. Vermögen schafft so Zugang zu günstigem Geld.
Aber Vorsicht vor dem Umkehrschluss: Reiche besitzen Immobilien, also machen Immobilien reich? So einfach ist es nicht. Oft ist es auch umgekehrt, wer vermögend ist, kann sich Immobilien überhaupt erst leisten, die hohen Eigenkapital-Hürden wirken wie ein Filter. Korrelation ist nicht Kausalität. Was aber stimmt, Immobilien haben vielen Vermögen den entscheidenden Hebel- und Stabilitäts-Schub gegeben, als Teil eines diversifizierten Ganzen, fast nie als einzige Karte.
Und ohne Millionen? Die Diversifikations-Idee funktioniert auch im Kleinen: Das selbstbewohnte Eigenheim ist der klassische Einstieg ins "Betongold", und wer (noch) nicht kaufen kann oder will, holt sich Immobilien über Schweizer Immobilienfonds oder Immobilien-ETFs ins Depot, ab kleinen Beträgen, breit gestreut und ohne Klumpenrisiko. So oder so gilt, Immobilien ergänzen das ETF-Depot, sie ersetzen es nicht.

Diversifikation ist mehr als Geld: Sicherheit und Lebensqualität

Diversifikation heisst, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Meistens denkt man dabei nur ans Geld. Beim Wohneigentum gibt es aber noch eine zweite Art der Streuung. Sie wird oft übersehen. Nicht nur Anlagen streuen. Auch Sicherheit und Lebensqualität streuen.

  • Sicherheit streuen. Ein Depot schützt dich vor Geldnot. Ein Eigenheim schützt dich vor Wohnungsnot. Das sind zwei verschiedene Risiken. Beide abzudecken ist sicherer.
  • Mehr Möglichkeiten im Leben. Ein Haus schafft Dinge, die ein Depot nicht schafft. Platz für eine Familie. Ein Garten. Ein Homeoffice. Ein Zimmer zum Vermieten. Diese Dinge haben einen Wert. Auch ohne Rendite-Zahl.
  • Wohlbefinden zählt auch. Ein eigenes Zuhause macht viele Menschen zufriedener. Du darfst es frei gestalten. Das lässt sich nicht in ein Depot einzahlen. Aber es ist real.

Darum lohnt sich der Blick über die Franken hinaus. Ein starkes Portfolio streut nicht nur Geld. Es streut auch Sicherheit und Lebensqualität. Ein Eigenheim kann das leisten. Ein Depot allein kann das nicht.

Entscheidungshilfe

Mieten oder Kaufen: Wann was zu dir passt

🏠 Kaufen passt zu dir, wenn...
  • du 10, besser 20 und mehr Jahre am selben Ort bleiben willst,
  • Eigenkapital und Tragbarkeit komfortabel reichen, ohne die Altersvorsorge zu plündern,
  • dir Gestaltungsfreiheit und Wohnsicherheit emotional viel wert sind,
  • du das Zwangssparen der Amortisation als Vorteil siehst.
🔑 Mieten und investieren passt zu dir, wenn...
  • du beruflich oder privat flexibel bleiben willst,
  • du die Differenz diszipliniert per Dauerauftrag investierst, zum Beispiel ab 200 CHF monatlich,
  • du Streuung über tausende Firmen einem einzelnen Immobilien-Klumpen vorziehst,
  • die Kaufpreise in deiner Region in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Mieten stehen.
❌ Vorsicht in beiden Welten
  • Kaufen am Anschlag der Tragbarkeit macht dich verletzlich für Zinsanstiege und Lebensereignisse.
  • Mieten ohne zu investieren ist die schlechteste aller Varianten, dann fehlt dir am Ende beides, Immobilie und Depot.
Mein ehrlicher Rat: Triff den Wohnentscheid zuerst als Lebensentscheid und erst danach als Finanzentscheid. Die Rechnung ist über 30 Jahre so annahmeabhängig, dass sie fast jedes Wunschergebnis liefern kann. Was sicher stimmt, wer wohnt, wie es zum Leben passt, und daneben konsequent investiert, macht es in beiden Szenarien richtig.
Umsetzung

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Egal wie du dich entscheidest, eines bleibt gleich. Ein ETF-Sparplan gehört in beide Szenarien. Als Mieterin ist er dein Vermögensmotor, als Käuferin baust du damit dein Eigenkapital auf und füllst später mit dem Wohnkosten-Vorteil das Depot. Hier sind meine Anbieter.

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Fragen & Antworten

Häufige Fragen zu Mieten oder Kaufen

Ist Miete wirklich rausgeworfenes Geld?
Nein. Mit der Miete kaufst du Wohnen ohne Unterhaltsrisiko und ohne gebundenes Kapital. Rausgeworfen ist höchstens das Geld, das du als Mieterin nicht investierst, obwohl du könntest.
Was ist finanziell besser: mieten oder kaufen?
Es hängt von Haltedauer, Zinsen, Preisentwicklung und deiner Disziplin ab. Kaufen profitiert vom Hebel auf Wertsteigerungen und vom Zwangssparen, Mieten plus konsequentes Investieren von tieferen Vollkosten und Flexibilität.
Wie viel Eigenkapital brauche ich in der Schweiz?
Mindestens 20% des Kaufpreises, davon mindestens 10% ohne Pensionskassengeld. Dazu kommen Kaufnebenkosten. Und die Tragbarkeit mit rund 5% kalkulatorischem Zins muss stimmen.
Lohnt sich Kaufen als reine Geldanlage?
Selbstbewohntes Eigentum ist zuerst Konsum plus Zwangssparen, keine Renditeanlage. Wer nur Rendite sucht, streut mit einem ETF-Depot breiter und bleibt liquider.
Soll ich Pensionskassen-Geld für den Hauskauf einsetzen?
Es kann sich lohnen, gerade weil der durchschnittliche Umwandlungssatz auf rund 5.2% gesunken ist und jeder Franken in der Kasse entsprechend wenig Rente kauft. Der Vorbezug spart ab Tag 1 Hypothekarzins, verbessert die Tragbarkeit, und das Kapital bleibt als Eigentum bestehen. Dafür sinken die künftige Rente und je nach Kasse die Risikoleistungen, beim Bezug fällt die Kapitalauszahlungssteuer an, und mindestens 10% des Kaufpreises müssen aus echtem Sparvermögen kommen. Die ganze Rechnung findest du im Abschnitt zur Pensionskasse.
Was passiert mit dem Eigenmietwert?
Das Stimmvolk hat 2025 die Abschaffung angenommen, der Bundesrat hat den Systemwechsel auf den 1. Januar 2029 festgelegt. Bis dahin gelten die heutigen Regeln, danach entfällt der Eigenmietwert und im Gegenzug weitgehend die Abzüge für Schuldzinsen und Unterhalt.
Fazit

Mein Fazit zu Mieten oder Kaufen

Mieten oder Kaufen ist kein Duell mit einem Sieger, sondern eine Wahl zwischen zwei Paketen. Das eine bündelt Wohnsicherheit, Hebel auf den Immobilienmarkt und Zwangssparen. Das andere bündelt Flexibilität, breite Streuung und tiefere Vollkosten, verlangt dafür aber Eigendisziplin beim Investieren. Sobald die teure Miete wegfällt, bleibt zudem jeden Monat mehr zum Investieren. Finanziell kannst du auf beiden Wegen gewinnen und auf beiden verlieren. Der einzige Weg, der finanziell sicher schlechter abschneidet, ist Mieten ohne zu investieren, dann fehlt am Ende beides, Immobilie und Depot. Darum entscheide mit dem Leben, investiere mit System, und lass dich von keinem Lager unter Druck setzen.

📚 Quellen und Daten (Stand August 2026):
  • Hypothekarzinsen: 10-jährige Festhypotheken aktuell rund 1.5 bis 2%, laufend aktualisiert im Hypothekarzins-Vergleich von Comparis. Leitzins 0% seit Juni 2025 gemäss Schweizerischer Nationalbank, dort finden sich auch die offiziellen Immobilienpreisindizes.
  • Immobilienpreise: Der offizielle Wohnimmobilienpreisindex (IMPI) des Bundesamts für Statistik misst die Preisentwicklung von Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern quartalsweise. Ebenfalls beim BFS: Wohneigentumsquote und Vermögensstatistiken der Haushalte.
  • Finanzierungsregeln: Eigenmittel- und Tragbarkeitsanforderungen basieren auf den Selbstregulierungs-Richtlinien der Schweizerischen Bankiervereinigung, die konkrete Prüfung macht jede Bank individuell.
  • Eigenmietwert: Abstimmungsergebnis vom September 2025 und Bundesratsentscheid vom 1. April 2026 zum Inkrafttreten per 1. Januar 2029, nachzulesen auf dem offiziellen Portal admin.ch (EFD).
  • Pensionskasse: Durchschnittlicher Umwandlungssatz 5.26% für 2025 gemäss Swisscanto Pensionskassenstudie 2026, für Pensionierungen in fünf Jahren rund 5.17%. Complementa weist für 2026 im Schnitt 5.19% aus. Gesetzlicher Mindestumwandlungssatz im Obligatorium 6.8%. Regeln zum WEF-Vorbezug (Mindestbetrag CHF 20'000, Bezug bis drei Jahre vor der Pensionierung, Begrenzung ab 50, Rückzahlung) gemäss BVG Art. 30c und Wohneigentumsförderungs-Verordnung.
  • Aktienrenditen: Langfristige Weltaktien-Renditen gemäss Indexanbietern wie MSCI, historische Grössenordnungen je nach Zeitraum.

Keine Anlage-, Steuer- oder Hypothekarberatung. Beispielrechnungen mit vereinfachten Annahmen, Stand August 2026. Lass grosse Entscheide individuell durchrechnen.

4 thoughts on “Mieten oder Kaufen in der Schweiz: rechne dein Szenario durch

  1. Guter Artikel, danke!

    Hinweis: Die Amortisation wird in der Regel über Säule 3A gemacht. Dieses Geld kann (und sollte) auch in Fonds investiert werden. Die Auswahl ist zwar stark limitiert, aber 100% Aktienanteil sind möglich. Und damit ist die Amortisation deutlich schneller als in 15 Jahren erledigt.
    Du erwähnst auch den Hebel auf die Wertsteigerung der Immobilie: Dieser wird meist massiv unterschätzt, da mit bis zu 80% Fremdkapital gearbeitet wird, also 1% Wertsteigerung = 5% Rendite auf dem “gebundenen” Kapital. Natürlich ist das Risiko beidseitig, sinkt der Wert der Immobile, dann zieht der Hebel auch.
    Noch etwas: Zinssteigerungen führen nicht nur zu höheren Hypothekarzinsen, nein, auch zu höheren Mieten. Natürlich kann ein Mieter sich etwas günstigeres suchen, aber heutzutage? Viel Spass!

    Ganz wichtig für das Alter: Downsizing! Damit macht man Kapital frei und hat dann eben im Vergleich zum Mieter plötzlich nicht mehr das kleinere Depot.

    Und das Allerwichtigste zuletzt: Sich nie “verlieben”, es wird teuer, wenn man überzahlt. Genau wie bei Aktien. Bei Wohneigentum besser mit einem kleineren, etwas “unperfekten” Objekt (Eigentumswohnung) beginnen und dann nach einigen Sparjahren zum Ideal upgraden.

    Mit besten Grüssen
    R.B.

    1. Hallo R.B.

      Vielen Dank für den Hinweis zum Investieren der Säule 3a an der Börse.

      Viele Hausbanken bieten diese Möglichkeit zwar an, weisen aber nicht von sich aus darauf hin. Man muss deshalb aktiv nachfragen.

      Ein Nachteil ist, dass man in der Regel auf die 3a-Fonds der Hypotheken Bank beschränkt ist. Diese sind oft teurer als die Angebote von Fintech-Unternehmen wie finpension, viac, frankly usw. Trotzdem ist das meist die bessere Lösung, als das Geld unverzinst oder zu einem sehr tiefen Zinssatz auf dem 3a-Konto liegen zu lassen.

      Liebe Grüsse
      Helga

      1. Hallo Helga,

        ich hätte noch einen weiteren Punkt: Pensionskassen-Vorbezug ist möglich, aber teuer stimmt nicht zwingend.
        Wenn die Versicherungsleistungen nicht tangiert werden, also keinen Zusammenhang mit dem angesparten Kapital haben, sondern rein auf dem versicherten Lohn basieren, dann ist dies immer eine Überlegung wert. Die Renditen in der PK sind in der Regel deutlich tiefer als beim eigenen investierten Kapital. Habe ich die Möglichkeit, dann lasse ich mein Eigenkapital weiter für mich arbeiten und finanziere das Wohneigentum soweit möglich über einen PK-Teilbezug. Das führt langfristig zu einer deutlichen Renditesteigerung.

        Es ist jeder Einzelfall unterschiedlich, weshalb sich eine (kleine) Investition in eine solide Beratung lohnt. Es geht beim Eigenheimkauf um die wohl grösste Einzelinvestition, welche man je im Leben macht.

        Mit besten Grüssen
        Roland (R.B.)

        1. Hallo Roland, ja auch da hast du recht.
          Bei so grossen finanziellen Entscheiden müssen Profis konsultiert werden, da könnte ein einfacher Blogpost nur ein Denkanstoss geben.
          Ich denke auch so, ich habe meine PK auch gut und gerne für das Haus eingesetzt. Es ist doch schön, wenn man jetzt bereits etwas davon hat und nicht auf allfällig schlechtere Renditen und Umwandlungssätze warten muss.
          Ich habe das im Text noch angepasst.
          Liebe Grüsse
          Helga

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