Wer in Aktien investiert, nimmt anderen etwas weg.
Man hört den Vorwurf oft: Wer in Aktien investiert, nimmt anderen etwas weg. Fachleute nennen das ein Nullsummenspiel, das heisst, was die eine Person gewinnt, verliert angeblich die andere. Wenn Löhne kaum steigen und Aktienkurse gleichzeitig stark steigen, ist ein ungutes Gefühl verständlich, das nehme ich ernst. Trotzdem stimmt der Vorwurf nur zum Teil. Ich zeige dir an einem einfachen Beispiel, wo der Denkfehler liegt, und gehe danach jeden Kritikpunkt ehrlich durch, ohne etwas kleinzureden.
Wer in Aktien investiert, nimmt niemandem etwas weg, Aktien sind kein Nullsummenspiel. Beim Kauf einer Aktie tauschen zwei Personen freiwillig, das ist kein Wegnehmen. Der Wert einer Firma wächst durch Arbeit und neue Ideen, nicht weil jemand anderes ärmer wird. Die häufigsten Kritikpunkte, schwerer Zugang zum Kapitalmarkt, Druck durch Aktionäre, Steuervorteile für Reiche, treffen auf die Schweiz weniger zu. Hier sind Kursgewinne steuerfrei, und man kann schon mit 10 Franken einsteigen.
Kurz zusammengefasst
- Kein Wegnehmen: Beim Aktienkauf tauschen zwei Personen freiwillig, niemand wird dadurch automatisch ärmer.
- Mehr Wert statt Umverteilung: Kurse steigen, weil Firmen besser arbeiten und mehr verdienen.
- Der Geldkreislauf: Der Gewinn der Firmen zahlt über Steuern auch die Hilfe für Menschen mit wenig Geld.
- Zugang für alle: Mit ETF-Sparplänen ab 10 Franken kann heute jede Person mitmachen, früher war das nur wenigen möglich.
- Keine Steuer auf Kursgewinne: Diesen Vorteil hat in der Schweiz jede Person mit einem Depot, nicht nur reiche Leute.
Zuletzt aktualisiert am 4. Oktober 2026
Ist Investieren in Aktien ein Nullsummenspiel?
Der Vorwurf geht von einer falschen Idee aus. Er nimmt an, das Geld auf der Welt sei wie ein Kuchen fester Grösse. Bekommt eine Person mehr, muss eine andere weniger bekommen. Bei Aktien stimmt das nicht. Kaufst du eine Aktie, gibst du Geld an die Person, die verkauft, und bekommst dafür einen Anteil an einer Firma. Beide Seiten wollen diesen Tausch, sonst würde er nicht stattfinden. Danach hat niemand automatisch weniger.
Einfaches Beispiel, der Dorf-Kiosk
🏪 Du und deine Nachbarin gründen einen Kiosk
Stell dir vor, ihr zahlt beide 1000 Franken ein. Der Kiosk gehört euch nun je zur Hälfte. Jede von euch hält also so etwas wie eine Aktie.
- Jahr 1. Der Kiosk läuft gut. Er macht 400 Franken Gewinn. Dieses Geld kommt von Kundinnen und Kunden, die freiwillig Getränke und Zeitungen gekauft haben. Niemand wurde dafür ärmer.
- Jahr 2. Ein Bekannter will mitmachen. Du verkaufst ihm deinen Anteil für 1300 Franken, weil der Kiosk jetzt mehr wert ist. Du machst 300 Franken Gewinn. Der Bekannte verliert dadurch nichts, er bekommt jetzt einen Anteil an einem guten Geschäft.
- Wo hat jemand verloren? Nirgends. Der Wert ist neu entstanden, durch Arbeit und ein gutes Geschäft. Niemand wurde ärmer, damit du reicher wirst.
Genauso funktioniert eine Aktie, nur viel grösser. Novartis, Nestlé oder Swissquote sind im Grunde riesige Kioske mit tausenden Miteigentümerinnen und Miteigentümern.
Wie dein Geld der Wirtschaft hilft
Firmen brauchen Geld, um zu wachsen. Sie stellen Leute ein, forschen an neuen Produkten oder bauen neue Standorte. Wer Aktien kauft, gibt der Firma dieses Geld. Das ist das Gegenteil von Wegnehmen. Ohne dieses Geld könnten viele Firmen gar nicht wachsen.
Auch der Vergleich mit einem Glücksspiel passt nicht. Bei einem Glücksspiel verliert immer eine Seite, damit die andere gewinnt. An der Börse ist das anders. Über viele Jahre sind die grossen Aktienmärkte im Schnitt gewachsen, weil die ganze Weltwirtschaft wächst. Wer lange dabeibleibt, profitiert meistens gemeinsam mit vielen anderen.
Investieren ist nicht Daytrading, und Trading kann süchtig machen
Alles oben gilt für langfristiges Investieren, also für Menschen, die Aktien oder ETFs über viele Jahre halten. Beim Daytrading sieht es ganz anders aus. Wer auf kurzfristige Kursbewegungen innerhalb von Minuten oder Stunden wettet, verhält sich eher wie in einem Casino. Hier verliert tatsächlich oft die eine Seite, was die andere gewinnt, und die Plattform verdient an jedem Trade mit.
| Langfristig investieren | Daytrading | |
|---|---|---|
| Zeithorizont | Viele Jahre | Minuten bis Tage |
| Woher kommt der Gewinn? | Firmen wachsen und zahlen Dividenden | Kurzfristige Kursschwankungen, oft auf Kosten anderer Trader |
| Wer verdient sicher? | Du, wenn die Wirtschaft langfristig wächst | Die Plattform, an jedem einzelnen Trade |
| Risiko | Schwankungen, die sich über die Jahre ausgleichen können | Totalverlust und Schulden, vor allem mit Hebel |
| Zeitaufwand | Wenige Minuten pro Monat | Stunden täglich, oft auch heimlich |
Drei Warnzeichen für eine Trading-Sucht
- Kontrollverlust. Du hast nicht mehr im Griff, wie viel, wie oft und wann du tradest. Zum Beispiel heimlich während der Arbeit oder an einem Familienfest.
- Negative Folgen. Schulden, Streit in der Beziehung, Probleme bei der Arbeit oder Freundinnen und Freunde, die sich zurückziehen.
- Trading wird zur Hauptsache. Kurse besetzen deinen Kopf und deinen Alltag, Dinge, die dir früher wichtig waren, rücken in den Hintergrund.
Treffen mindestens zwei dieser drei Punkte zu, spricht man von einem Suchtproblem. Besonders gefährlich sind laut Schnoz zwei Denkfallen. Die Kontrollillusion lässt glauben, mit genug Wissen und der richtigen Taktik gewinne man langfristig. Und der Survivorship Bias sorgt dafür, dass man in den sozialen Medien nur die Gewinner sieht, nie die vielen, die verloren haben. Selbst professionelle Hedgefonds schlagen den Markt auf lange Sicht fast nie.
Mein Rat als Vermögensberaterin ist darum einfach. Baue dein Vermögen langsam und langweilig auf, mit einem breiten ETF und einem Sparplan. Schalte Push-Nachrichten deiner Trading-App aus und schau nicht täglich auf die Kurse. Langweilig ist an der Börse meistens gut.
Quellen: Interview mit Domenic Schnoz, watson.ch, 4. Oktober 2026 · Radix, Geldspielsucht · prevention.ch, nationale Spielsucht-Helpline
Der Kreislauf des Geldes
Beim Vorwurf des Wegnehmens vergisst man oft etwas Wichtiges, das Geld bewegt sich in einem grossen Kreis. Firmen zahlen nicht nur Löhne, sie zahlen auch Steuern. Genau diese Steuern finanzieren die Hilfe für Menschen mit wenig Geld. Das eine hängt vom anderen ab.
Der Denkfehler liegt oft darin, den Kreislauf nur an einer Stelle zu betrachten. Man sieht nur den Pfeil von der Firma zur Investorin und nennt das Bereicherung. Man vergisst den anderen Pfeil, der über den Staat zu den Sozialleistungen führt und aus demselben Gewinn kommt. Schneidet man den Kreislauf am Anfang ab, zum Beispiel mit einer hohen Steuer auf Investitionen, wird am Ende auch der Topf kleiner, aus dem der Staat Geld verteilen kann.
| Station im Kreislauf | Steuer oder Abgabe | Wer zahlt |
|---|---|---|
| Gewinn der Firma | Gewinnsteuer (Bund, Kanton, Gemeinde) | Die Firma |
| Lohn an Angestellte | Beiträge an AHV, IV, ALV und Pensionskasse, danach Einkommenssteuer | Firma und Angestellte teilen sich die Beiträge, die Steuer zahlen die Angestellten |
| Dividende wird ausgezahlt | 35% Verrechnungssteuer, die man bei korrekter Angabe in der Steuererklärung zurückbekommt | Die Firma zahlt sie ein, wirtschaftlich trägt sie die Aktionärin |
| Dividende bei der Investorin | Einkommenssteuer auf den erhaltenen Betrag | Die Investorin |
| Depotwert am Jahresende | Vermögenssteuer, unabhängig davon, ob ein Gewinn gemacht wurde | Die Investorin |
| Einkäufe mit Lohn oder Dividende | Mehrwertsteuer | Käuferinnen und Käufer zahlen sie, die Firma leitet sie weiter |
| Staatliche Hilfe (Transfer) | Keine weitere Steuer, das Geld wurde bereits vorher versteuert | – |
Nur der reine Gewinn beim Verkauf einer Aktie ist für Privatpersonen in der Schweiz steuerfrei. Mehr dazu weiter unten. Alles andere im Kreislauf wird dagegen mindestens einmal besteuert, oft sogar mehrmals: der Gewinn der Firma, die Löhne, die Dividenden, das Vermögen und die Einkäufe. Wer nur den Pfeil zur Investorin sieht und den Rest vergisst, sieht nicht das ganze Bild.
Die drei häufigsten Kritikpunkte, genauer angeschaut
Ich nehme diese Kritik ernst, sie kommt nicht von irgendwo. Wer sieht, dass Löhne kaum steigen, während Aktienkurse steigen, hat ein berechtigtes ungutes Gefühl. Drei Argumente hört man in dieser Diskussion besonders oft. Ich gehe jedes einzeln durch, ohne es kleinzureden.
| Kritikpunkt | Gegenargument in Kürze |
|---|---|
| Nur Reiche haben Zugang | Dieses Bild stammt aus der Zeit vor ETF-Sparplänen ab 10 Franken |
| Druck durch Aktionäre | Pensionskassen machen Angestellte selbst zu Miteigentümern grosser Schweizer Firmen |
| Steuervorteile für Reiche | Kursgewinne sind in der Schweiz für alle steuerfrei, nicht nur für Reiche |
1. Nur Reiche können investieren, das Argument von Piketty
Dieses Argument verdient Respekt. Der Forscher Thomas Piketty hat mit Daten aus über 200 Jahren gezeigt, dass Geld aus Kapital im Schnitt schneller wächst als die ganze Wirtschaft. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern gut belegt. Seine Daten stammen aber vor allem aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Damals bedeutete Kapital fast nur Land, Fabriken und Erbschaften, und das war nur einer kleinen, oft adligen Gruppe zugänglich.
Diese Schranke gibt es beim Aktienmarkt heute nicht mehr. Eine Coiffeuse mit 200 Franken im Monat baut mit einem ETF-Sparplan dasselbe Portfolio auf wie eine Chefärztin mit 2000 Franken, nur langsamer. Grössere Beträge wachsen zwar schneller, aber der Zugang selbst ist offen für alle. Studien zeigen zudem, dass sich reiche Familien über mehrere Generationen oft stark verändern, manche steigen auf, andere ab.
2. Der Druck der Aktionäre geht auf Kosten der Angestellten
Auch dieser Punkt stimmt zum Teil. Es gibt echte Fälle, in denen die Geschäftsleitung Personal abbaut, um kurzfristig den Kurs zu stützen, manchmal auch wegen eigener Bonuszahlungen. Das ist real und dokumentiert. Aber die Idee, Aktionäre und Angestellte stehen sich immer gegenüber, stimmt in der Schweiz oft nicht. Ein grosser Teil der Aktionäre grosser Schweizer Firmen sind die Pensionskassen der eigenen Angestellten. Wer bei Nestlé oder Novartis arbeitet, ist über die Pensionskasse oft selbst Miteigentümer dieser Firma.
Kostendruck entsteht zudem nicht, weil eine Firma an der Börse ist, sondern durch die Konkurrenz. Genossenschaften, Staatsbetriebe oder Familienfirmen stehen unter dem gleichen Druck, gut zu wirtschaften. Firmen, die dauernd beim Personal sparen, arbeiten langfristig oft schlechter.
3. Steuervorteile für Geld aus Kapital
International ist diese Kritik berechtigt. In vielen Ländern werden Kursgewinne wirklich bevorzugt behandelt, das ist ein echtes Problem für die Gerechtigkeit. In der Schweiz ist das anders, hier sind Kursgewinne für jede Person steuerfrei, egal ob 200 Franken oder 2 Millionen im Depot liegen. Das ist kein Steuertrick für Reiche, sondern eine Regel, die für die Coiffeuse genauso gilt wie für die Millionärin.
Dazu kommt, die Firma zahlt schon Gewinnsteuer, bevor sie überhaupt eine Dividende auszahlt. Die tiefere Steuer für Privatpersonen verhindert also, dass derselbe Franken doppelt besteuert wird. Und die jährliche Vermögenssteuer trifft grosse Vermögen so oder so, ganz egal ob ein Gewinn gemacht wurde. Das wird international oft übersehen.
Investieren schon ab 10 Franken
Die Geldschwelle ist heute viel kleiner als noch vor zehn Jahren. Anbieter wie Yuh oder neon bieten ETF-Sparpläne schon ab CHF 1 bis 10 im Monat an. Robo-Advisor wie Selma verlangen dagegen meist einen höheren Startbetrag, oft ab CHF 2’000. Das Argument, Investieren sei nur etwas für reiche Leute, ist trotzdem viel schwächer geworden. Was bleibt, ist eher fehlendes Wissen als fehlendes Geld, viele wissen einfach nicht, dass es diese Möglichkeit gibt.
Meine Codes für dich, antippen zum Kopieren:
🎁 Yuh, ab CHF 10 im Monat
Mit Yuh kannst du schon ab 10 Franken im Monat in ETFs sparen, ganz ohne Mindestlaufzeit. Eröffnest du dein Konto über meinen Link, bekommst du CHF 50 und 250 Swissqoin geschenkt.
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Findependent passt gut, wenn du gleich etwas mehr investieren willst. Ab 500 Franken baust du automatisch ein breit gestreutes ETF-Portfolio auf. Mit meinem Code sparst du einen Teil der Gebühren.
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Die Börse ist fair für alle
Ein Satz bringt es auf den Punkt, die Börse ist einer der fairsten Orte, um Vermögen aufzubauen. Anders als bei Immobilien, Kunst oder privaten Beteiligungen gibt es keine hohe Schwelle, die dich aussperrt. Mit Anbietern wie Yuh kannst du schon ab CHF 1 einsteigen, nicht erst ab einer hohen Summe oder mit den richtigen Beziehungen. Fairer geht es kaum, derselbe Kurs gilt am selben Tag für jede Person gleich, egal welche Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht sie hat, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung, egal ob arm oder reich.
- Kein Türsteher. Egal ob Lehrling, Pflegefachfrau oder Geschäftsführerin, jede Person kauft mit demselben Franken denselben Anteil an Nestlé oder Novartis. Man braucht kein Studium, keine Beziehungen und keine Prüfung, anders als zum Beispiel bei Immobilien.
- Herkunft und Person spielen keine Rolle. Die Börse fragt nicht, ob du weiss oder schwarz bist, ob dich eine Beeinträchtigung betrifft oder ob du arm oder reich bist. Der Kurs gilt für jede Person gleich.
- Der Preis entsteht fair für alle. Niemand legt den Aktienkurs alleine fest. Er entsteht durch Millionen Entscheidungen von Menschen auf der ganzen Welt, jeden Tag neu.
- Eine Aktie, eine Stimme. Auch wer nur eine einzige Aktie besitzt, darf bei der Generalversammlung mitbestimmen, zum Beispiel bei der Wahl des Verwaltungsrats.
Häufige Fragen
Was bedeutet Nullsummenspiel?
Nimmt man beim Aktienkauf wirklich niemandem etwas weg?
Sind Kapitalgewinne in der Schweiz wirklich steuerfrei?
Wie hängen Aktienmarkt und Sozialstaat zusammen?
Warum ist die Börse fair, obwohl mehr Geld mehr Stimmgewicht bedeutet?
Ist Daytrading dasselbe wie Investieren?
Lohnt sich Investieren auch mit kleinen Beträgen?
Mein Fazit
Der Vorwurf, Aktienbesitz nehme anderen etwas weg, beruht auf einer falschen Idee, der Annahme eines Kuchens fester Grösse. Aktien investieren ist kein Nullsummenspiel, Wert entsteht durch Arbeit, gute Ideen und freiwilligen Tausch. Der Geldkreislauf zeigt zudem, dass ein guter Aktienmarkt und ein finanzierbarer Sozialstaat keine Gegensätze sind, sondern zusammengehören. Auch die üblichen Einwände treffen auf die Schweiz weniger zu, als international oft behauptet wird. Wer die Wahl hat, fährt mit Investieren deshalb besser als mit Abwarten.
Keine Anlageberatung, sondern meine persönliche Einordnung als zertifizierte Vermögensberaterin IAF. Angaben ohne Gewähr, Stand September 2026.

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